Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn – Gender-Pay-Gap in der Logopädie

Der Equal Pay Day markiert den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen − im Vergleich zu Männern −statistisch gesehen "umsonst" gearbeitet haben. In diesem Jahr war dies am 27. Februar der Fall.
Wir im dbl wollen den April nutzen, um auf eine Ungerechtigkeit hinzuweisen, die unsere Profession besonders hart trifft.
Der Gender-Pay-Gap ist in Deutschland kein abstraktes Statistikproblem. Er ist Alltag – und in der Logopädie zeigt er sich mit besonderer Deutlichkeit.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Laut Statistischem Bundesamt lag der Gender-Pay-Gap in Deutschland 2025 über alle Berufe hinweg bei 16 Prozent. Die Lohnlücke hat sich zuletzt nicht weiter geschlossen. Das trifft Frauen in ihrer Erwerbsbiografie, ihrer finanziellen Unabhängigkeit und am Ende besonders hart: im Alter.

Unsere Anfang 2026 durchgeführte Gehaltsumfrage (Ergebnisse folgen in Kürze und werden hier verlinkt) zeigt positive wie negative Signale zum Gender-Pay-Gap – auf den ersten Blick gibt es hier gute Nachrichten: Der Stundenlohn von Männern und Frauen, die in ambulanten logopädischen Praxen angestellt sind, war identisch. Jedoch waren von den über 1.000 Teilnehmenden der Umfrage nur 40 Personen männlich.
Über die gesamte Branche hinweg zeigt sich der Gender Pay Gap dennoch:

Über die gesamte Branche hinweg zeigt sich der Gender-Pay-Gap dennoch: Laut der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit verdienten Männer in der Logopädie 2024 im Schnitt 10,8 Prozent mehr als ihre Kolleginnen. Und das in einem Beruf, der zu rund 90 Prozent von Frauen ausgeübt wird. Diese Zahl ist kein Ausreißer. Sie ist ein Symptom.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Angestellte Männer in der Logopädie erwerbsarbeiten signifikant mehr als Frauen, durchschnittlich fünf Stunden mehr pro Woche und erzielen damit ein höheres Monatsbrutto.
  • Zwei Drittel der Männer in der Logopädie arbeiten selbstständig und erzielt damit potenziell ein höheres Gehalt als in einem Angestelltenverhältnis, während Frauen nur zu 50 Prozent freiberuflich tätig sind.

Die Erwerbsbiografie von Frauen und ihre Aufstiegschancen hängen oft mit der Familiengründung zusammen – auch weil selbstständige Frauen beispielsweise während des Mutterschutzes finanziell nicht abgesichert sind. Hierzu erzählen wir mehr in Podcastfolge 16 – Mutterschutz für Selbstständige – Warum wir jetzt handeln müssen.

Strukturell benachteiligt – aus mehreren Richtungen

Logopädinnen und Logopäden tragen eine hohe Verantwortung, erbringen qualifizierte Arbeit und sind systemrelevant für die gesundheitliche Versorgung. Doch weder die (tariflichen) Eingruppierungen noch das gesellschaftliche Ansehen spiegeln das angemessen wider.

Hinzu kommt: In typischen „Frauenberufen” verstärkt sich der Gender-Pay-Gap auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • Das generelle Lohnniveau dieser Berufsfelder ist im Vergleich zu männlich dominierten Berufen systematisch niedriger.
  • Innerhalb des Berufs selbst verdienen Männer mehr als Frauen und bekleiden signifikant häufiger Führungspositionen.
  • Teilzeitarbeit, die in der Logopädie verbreitet ist und strukturell oft weiblich besetzt bleibt, drückt zusätzlich auf die Gesamtentlohnung.

Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes Ferda Ataman hat zuletzt kritisiert, dass verbindliche Maßnahmen zur Entgeltgleichheit von der Bundesregierung nicht ausreichend umgesetzt worden sind. Das betrifft frauendominierte Gesundheitsberufe in besonderem Maße.

Warum der dbl dieses Thema zur Berufspolitik macht

Für uns als Berufsverband ist der Gender-Pay-Gap kein Randthema. Er ist eng verknüpft mit zentralen Fragen unserer Profession:

Gleiche Arbeit – gleicher Lohn. Die Unterbewertung logopädischer Tätigkeiten ist ein Beispiel dafür, wie Entgeltungleichheit berufsstrukturell zementiert wird. Dagegen setzen wir uns aktiv ein.

Fachkräftemangel. Eine Branche mit überwiegend weiblichen Fachkräften kann ihren Versorgungsauftrag langfristig nur erfüllen, wenn Löhne fair und konkurrenzfähig sind. Wer gut ausgebildet ist, verdient eine Vergütung, die das honoriert.

Akademisierung. Die geplante Erneuerung des Berufsgesetzes mit dem Ziel der Vollakademisierung muss sich auch in der tariflichen Bewertung niederschlagen, insbesondere im Klinikbereich.

Politische Verantwortung. Wir fordern, dass Entgeltgleichheitsmaßnahmen nicht auf dem Papier bleiben. Der dbl engagiert sich dafür, dass Gesundheitsberufe in diesen Debatten sichtbar und gehört sind.

Der Gender-Pay-Gap ist kein Zufall

Er ist das Ergebnis historisch gewachsener Ungleichheiten, mangelnder Entgelttransparenz und einer gesellschaftlichen Unterschätzung von Sorge- und Gesundheitsarbeit. Wir werden das nicht hinnehmen.

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