Tariflücke Klinik: Wir sind mehr wert!

Die Tätigkeitsfelder von Logopäd*innen, die in Kliniken arbeiten, sind vielfach mit hohen Anforderungen verbunden. Die meisten Logopäd*innen sind nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) oder vergleichbaren Haustarifen angestellt. Die tarifliche Eingruppierung sollte sich dabei an den Tätigkeitsmerkmalen der Entgeltordnung orientieren. Doch hier liegt eines der zentralen Probleme:

Obwohl im stationären Arbeitssetting komplexe Tätigkeiten mit einem hohen Maß an Verantwortung erfüllt werden, spiegelt sich das nicht immer in einer adäquaten Eingruppierung wider. Diese müsste nach korrekter Anwendung der Tätigkeitsmerkmale mindestens in der Entgeltgruppe 9a oder b liegen. Eine 2023 veröffentlichte Umfrage des dbl ergab jedoch, dass ein beträchtlicher Teil der Logopäd*innen deutlich darunter eingruppiert ist – teilweise in Entgeltgruppe 6 oder niedriger. Diese offensichtlich falsche und ungerechte Eingruppierung wird der tatsächlichen Arbeitsleistung in keiner Weise gerecht und führt zu unfairen finanziellen Einbußen.  

Deutschland liegt im internationalen Vergleich zurück 

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher: In den meisten Ländern ist die Logopädie bereits vollständig akademisiert. Auch hierzulande gibt es inzwischen Studiengänge im Bereich der Logopädie, die zu einem Bachelor- oder Masterabschluss führen – dennoch werden akademisch qualifizierte Logopäd*innen tariflich in der Regel nicht höher eingruppiert. Selbst Logopäd*innen mit Bachelor- oder Masterabschluss werden häufig maximal in Entgeltgruppe 9b eingruppiert, obwohl eine höhere Gruppierung angesichts der Qualifikation gerechtfertigt wäre. 

Hausgemachter Fachkräftemangel? 

Ein weiterer Aspekt: Der Fachkräftemangel in Kliniken scheint teilweise hausgemacht. Viele Einrichtungen stellen keine Logopäd*innen ein, weil die Finanzierung im aktuellen System fehlt. Auch im Rahmen der Krankenhausreform wird dieses Problem nicht gelöst. Die dbl-Umfrage von 2023 zeigt: Ein Teil der in Kliniken tätigen Logopäd*innen hat den Eindruck, dass notwendige Stellen in den Krankenhäusern, in denen sie arbeiten, nicht ausgeschrieben werden. Nur dort, wo die Versorgung gesetzlich vorgeschrieben ist (z. B. Stroke Units), werden Stellen zuverlässig geschaffen. Das führt zu einer Unterversorgung und zu Überlastung der vorhandenen Fachkräfte.  

Was können Logopäd*innen jetzt schon tun? 

Ohne flächendeckende Akademisierung ist eine leistungsgerechte tarifliche Eingruppierung kaum realisierbar. Dennoch bestehen bereits jetzt Möglichkeiten, die eigene Eingruppierung kritisch zu prüfen und aktiv zu werden: 

  • Tätigkeitsmerkmale in der Tätigkeitsbeschreibung genau analysieren: Entspricht sie wirklich den ausgeübten Aufgaben? 
  • Komplexität der Tätigkeit dokumentieren: Werden z. B. interdisziplinäre Aufgaben, leitende Funktionen oder wissenschaftlich fundierte Entscheidungen getroffen? 
  • Höhergruppierung beantragen, wenn die tatsächliche Tätigkeit über die beschriebene hinausgeht. 
  • Gewerkschaftlicher Organisation beitreten: Gebündelt können Logopäd*innen oft mehr erreichen. 

Die Rolle von Verdi 

Logopäd*innen, die in tarifgebundenen Einrichtungen arbeiten, können sich bei einer Gewerkschaft organisieren. Gewerkschaften sind zuständig für die Tarifverhandlungen, die Eingruppierungsrichtlinien und die Vertretung gegenüber Arbeitgeber*innen. Der dbl sieht insbesondere Verdi als einen wichtigen Partner der in Kliniken arbeitenden Logopäd*innen an, um sich für faire Arbeitsbedingungen stark zu machen.  

Wie sich der dbl einsetzt 

Wir möchten sichtbar machen, wie ungerecht die Vergütungssituation für Logopäd*innen in Kliniken ist, und sie ermutigen, für faire Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz einzutreten. Ein wichtiger Schritt dabei ist auch die enge Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Verdi: Wir informieren Verdi über die aktuelle Situation und legen unsere Forderungen nach einer leistungsgerechten Vergütung dar, um einen starken und verlässlichen Partner an unserer Seite zu haben. 

Darüber hinaus engagiert sich der dbl für eine einheitliche akademische Ausbildung in Deutschland – als Grundlage für Qualität, Anerkennung und bessere Perspektiven im Beruf. 

Fazit 

Die tarifliche Eingruppierung von Logopäd*innen im stationären Bereich ist eng mit der Frage der Akademisierung verknüpft. Wer sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen will, sollte sowohl die eigene Tätigkeit kritisch reflektieren als auch die Möglichkeiten der gewerkschaftlichen Organisation nutzen und sich so für eine zukunftsfähige, akademisierte Logopädie stark machen. 

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