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Meldungen | 22.10.2025
Welttag des Stotterns am 22. Oktober
Chancen und Grenzen wissenschaftlich fundierter Stottertherapie
Anlässlich des Welttags des Stotterns möchten der Deutsche Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl) und die Bundesvereinigung Stottern Selbsthilfe e.V. (BVSS) in einer gemeinsamen Erklärung auf die Möglichkeiten und Grenzen evidenzbasierter Stottertherapie aufmerksam machen und zugleich vor unseriösen Heilungsversprechen warnen, wie sie immer wieder durch Medien und kommerzielle Anbieter verbreitet werden.
©dbl e.V.
©BVSS e.V.
Ist Stottern „heilbar“?
Viele stotternde Kinder zeigen eine deutliche Besserung oder ein vollständiges Verschwinden der Symptome im Verlauf der Entwicklung, was durch gezielte therapeutische Maßnahmen zusätzlich gefördert werden kann. Bei Erwachsenen gilt eine vollständige „Heilung“ des Stotterns hingegen als unwahrscheinlich. Entsprechend kann und darf „Heilung“ nicht das erklärte Ziel logopädischer Therapie sein. Gesichert ist jedoch, dass Menschen jeden Alters von einer Stottertherapie profitieren können, die sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert.
Wissenschaftliche Leitlinien als Orientierungshilfe
Bei der Suche nach Therapiemethoden, deren Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien belegt wurden, sind Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften eine verlässliche Informationsquelle. Zum Stottern liegt eine qualitativ hochwertige S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) vor, die auch in einer Version für Patient*innen kostenlos heruntergeladen werden kann: S3-Leitlinie Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung.
Wirksamkeitsnachweise und Empfehlungen liegen für verschiedene evidenzbasierte Therapieansätze vor, darunter sowohl Methoden der Stottermodifikation als auch Fluency-Shaping-Ansätze. Keine ausreichenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsbelege existieren hingegen für unterkomplexe Verfahren, die sich ausschließlich auf Atemtechniken stützen. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte Del Ferro-Methode. Das Institut wirbt in den Medien lautstark mit einer extrem hohen Quote vollständig stotterfreier Patient*innen nach der Therapie. Diese Aussagen sind weder durch unabhängige, methodisch belastbare Studien belegt noch entsprechen sie dem Maß an Seriosität, das therapeutisches Handeln auszeichnen sollte.
Fazit
Bislang existiert kein Therapieverfahren, das Stottern heilen könnte. Wir setzen uns seit Jahren für eine fundierte, transparente und verantwortungsvolle Versorgung und Beratung stotternder Menschen und ihrer Angehörigen ein – frei von Heilsversprechen, aber getragen von fachlicher Kompetenz und menschlicher Empathie. Unsere Maxime ist Aufklärung und Transparenz. Denn Betroffene (bzw. Angehörige) müssen zu allen verfügbaren seriösen Behandlungsalternativen einschließlich ihrer Ziele und Grenzen ausreichend beraten werden, damit sie ihre Entscheidung für einen Therapieansatz im Sinne eines „informed consent“ aufgeklärt und informiert treffen können. Wir orientieren uns hierbei an den Empfehlungen wissenschaftlich fundierter Leitlinien.
Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. und die Bundesvereinigung Stottern Selbsthilfe e. V.
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