Meldungen | 05.02.2025

Neue S3-Leitlinie ist online

Therapie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
Die neue S3-Leitlinie „Therapie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“ knüpft an die bislang...

existierende S2k-Leitlinie „Einseitige Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (AWMF Nr. 007/038, 2010) an. Das S3-Upgrade der Leitlinie wurde interdisziplinär mit allen an der Behandlung beteiligten Disziplinen erarbeitet und kann inklusive des Leitlinienreports sowie des Evidenzberichts kostenlos hier im AWMF-Leitlinien-Register heruntergeladen werden. Zusätzlich liegt die Leitlinie in einer Patientenversion vor.

Für den dbl haben Alexandra Blöck und Dr. Ulrike Wohlleben an dieser Leitlinie mitgearbeitet:

Alexandra Blöck (Foto: Patric Dressel)

 

Dr. Ulrike Wohlleben (Foto: privat)

Sie fassen das Ergebnis für den Bereich der Sprachtherapie wie folgt zusammen:

„Die gründliche und kritische Bewertung aller relevanten Reviews und Metaanalysen vermittelt ein realistisches Bild des aktuellen Forschungsstands. Es zeigen sich vorwiegend niedrige bis moderate Evidenzen, die sowohl den heterogenen Studiendesigns als auch dem heterogenen Klientel geschuldet sind. Bei dem Störungsbild der Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen (LKGF) fehlen in Diagnostik und Therapie global entwickelte Parameter, die der internationalen Forschung zur Zusammenfassung der Studienergebnisse dienen könnten.

Im Bereich der Diagnostik wurde bei niedriger Evidenz die auditiv-perzeptive Analyse durch erfahrene Therapeut*innen der Logopädie und Sprachtherapie auf eine Ebene mit der Videonasopharyngoskopie und der Nasopharyngoskopie gestellt.

Bei einem hohen Aufkommen von fluktuierenden Schallleitungsstörungen (fSLS) von Kindern mit LKGF wurde sich im Expertenkonsens einstimmig dafür ausgesprochen, neben der üblichen Hördiagnostik, sprachrelevante Merkmale zur Einschätzung des Einflusses der fSLS auf die Sprachentwicklung hinzuzuziehen.

Bei bestehenden sprachlichen Auffälligkeiten wurde die frühzeitige Einleitung einer der Entwicklung des Kindes entsprechenden logopädischen Therapie befürwortet. Dies kann eine elternzentrierte Frühtherapie oder eine therapeutische Intervention sein. Der linguistisch-phonologische und der motor-phonetische Ansatz werden als gleichwertig angesehen. Der jeweilige Ansatz sollte störungsspezifisch gewählt werden. Nasopharygoskopische Biofeedbackmethoden können ab dem Schulalter ergänzend – aber keines falls routinemäßig – zur Sprech- und Sprachtherapie eingesetzt werden.

Die orofazialen Interventionen bei LKGF stellen im Vergleich zum internationalen Ausland eine Besonderheit in der Therapiepaxis in Deutschland dar, werden aber durch vorhandene Evidenz nicht abgebildet.

Die sprechverbessernden Operationen konnten mit einem erfahrenen Chirurgen in der Arbeitsgruppe „Sprache“ dieser Leitlinie evaluiert werden:

  • Keine der bestehenden OP-Methoden konnte als Goldstandard definiert werden.
  • Bei unverändert bestehendem auffälligen Sprechergebnis aufgrund einer persistierenden velopharyngealen Insuffizienz nach primärem Gaumenverschluss (inadäquater Beweglichkeit und/oder Verkürzung) sollte eine Revisionsoperation mittels radikaler intravelarer Veloplastik oder Furlow-Plastik erwogen werden.
  • Bei milder Ausprägung der velopharyngealen Insuffizienz kann eine Augmentation der posterioren Pharynxwand zur Korrektur vorgenommen werden.
  • Bei schwerer, therapieresistenter velopharyngealer Insuffizienz und einem als Primäroperation regelrecht rekonstruiertem Weichgaumen sollte nach sorgfältiger logopädischer und phoniatrischer Untersuchung eine sprechverbessernde Operation erfolgen.
  • Dabei sollte jede sprechverbessernde Operation engmaschig logopädisch/sprachtherapeutisch begleitet und durch eine Follow-up Untersuchung bestätigt werden.

Im Verlauf der Leitlinienarbeit konnten für die zukünftige Leitlinienarbeit interessierende Fragestellungen präzisiert werden.“

Sonja Utikal (dbl-Leitliniensekretariat): „Im Namen des dbl-Bundesvorstandes danke ich Frau Blöck und Frau Dr. Wohlleben sehr für ihre wertvolle und ausdauernde Arbeit! Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag, um die therapeutische Versorgung von Patient*innen mit Lippen-Kiefer-Gaumenfehlbildungen zu verbessern und die logopädischen Behandlungsmöglichkeiten sichtbar zu machen!“

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