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Meldungen | 09.01.2026

Neue S3-Leitlinie ist online

Delir im höheren Lebensalter
Die S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“ entstand unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).

Sie kann im Leitlinienregister der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter der Registernr. 109-001 kostenlos heruntergeladen werden. Sie steht in einer Lang-, einer Kurz- und einer Patientenversion zur Verfügung. Die Leitlinie wurde im Rahmen des Projektes „Delir-Leitlinienentwicklung für das höhere Lebensalter“ (DELEIhLA ) entwickelt, das mit Mitteln aus dem Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert wurde.

Hintergrund: hohe Inzidenz und ungünstige Prognose

Das Projekt hatte zum Ziel, eine transsektoral umsetzbare, interdisziplinär-interprofessionelle Leitlinie zu Delir-Prävention, -Diagnostik und -Therapie beim alten Menschen zu entwickeln. Denn ein Delir erleidet jeder fünfte Mensch ab 70 Jahren, der im Krankenhaus behandelt oder in einer Pflegeeinrichtungen oder im eigenen Zuhause betreut wird. Der akute Verwirrtheitszustand geht mit einem erhöhten Sterberisiko einher sowie einem erhöhten Risiko, an einer Form von Demenz zu erkranken.

Beteiligung der Logopädie

Die logopädische Expertise wurde in diesem Leitlinienprojekt von Christina Rohlfes (dbl-Mandatsträgerin) und Katrin Eibl (Mandatsvertretung) eingebracht.

Christina Rohlfes (Foto: ©privat)

Relevanz für die Logopädie

Christina Rohlfes fasst die Ergebnisse und die Bedeutung der Leitlinie für die Logopädie wie folgt zusammen:

Neben der Bewusstseinsstörung, die sich im Alltag durch verminderte Aufmerksamkeit, erhöhte Ablenkbarkeit und Desorganisiertheit manifestiert, können auch weitere Kernelemente des Delirs durchaus beträchtlichen Einfluss auf die logopädische Therapie haben oder gar bei Nichterkennen eines Delirs falsch zugeordnet und behandelt werden. Hierzu zählen:

  • subakute bis akute Änderung der kognitiven Leistungsfähigkeit,
  • Veränderung der Psychomotorik,
  • Affektstörungen sowie gestörte Tag-Nacht-Rhythmik und Symptomfluktuationen.

Insbesondere Menschen mit Demenz oder anderen altersassoziierten Erkrankungen, mit denen wir in der Logopädie in Kontakt sind (z. B. Schlaganfälle), weisen ein erhöhtes Delir-Risiko auf.

Auch sind die möglichen Folgen eines Delirs nicht zu unterschätzen:

  • kognitive Einbußen bis hin zu Demenz,
  • ein erhöhtes Risiko für dauerhafte Pflegebedürftigkeit mit Unterbringung in einer institutionellen Pflegeeinrichtung,
  • Einschränkungen von Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL), wozu auch die Nahrungsaufnahme aufgrund einer Dysphagie (Schluckstörung) zählt. Weitere Folgen eines Delirs finden sich im Kapitel 6 „Follow-up care & Tertiärprävention – PICO 6“, S. 133 der Langfassung)).

Die logopädischen Aufgabengebiete und die Therapie finden sich nun in der Leitlinie in allen Bereichen wieder – Screening, Therapie und Follow-up care:

Delir-Risikofaktoren und Delir-Risikoscreening – PICO 1

Es wird ein geriatrisches mehrdimensionalen Screening zur Erfassung des Delir-Risikos empfohlen. Dieses kann zusätzliche Dimensionen, wie unter anderem Sensorik, Dysphagie, Kommunikationsfähigkeit inklusive Sprache und Sprechen, umfassen.

Allgemeine Empfehlungen, Maßnahmenbündel zur Therapie – PICO 5

Es wird empfohlen, im akutstationären Setting bei älteren Menschen mit Delir ein auf die individuelle Situation der erkrankten Person zugeschnittenes Multikomponentenprogramm einzusetzen. In der zugehörigen Tabelle findet die logopädische Therapie bezüglich der Kommunikation (z. B. bei Aphasie sowie beim Dysphagiemanagement) namentliche Erwähnung.

Follow-up care & Tertiärprävention – PICO 6

In der Tabelle wird die Dysphagie explizit aufgeführt und ebenso die damit verbundene notwendige logopädische Therapie. Ebenso wird Bezug auf die S1-Leitlinie Neurogene Dysphagien genommen.

Fazit: Die namentliche Erwähnung von Störungsbildern und der dazugehörigen logopädischen Therapie stellen einen wichtigen Schritt in der Sichtbarkeit und Relevanz der Mitbehandlung deliranter Patient*innen aufgrund genannter Störungen der Sprache, Stimme und des Schluckens dar.

Dank des dbl-Bundesvorstandes

Dagmar Karrasch: „Wir danken Frau Rohlfes für ihr ehrenamtliches fachliches Engagement, mit dem sie die logopädische Expertise in diese wichtige interdisziplinäre Leitlinie eingebracht hat! Denn trotz des Behandlungsbedarfs im Alltag ist dies die erste Leitlinie, die das Delir-Syndrom im höheren Lebensalter betrachtet. Vor dem Hintergrund der stark ansteigenden Inzidenz des Delirs bei Menschen über 65 Jahren und dem demografischem Wandel unserer Gesellschaft ist dies ein wichtiger Schritt in Richtung einer verbesserten medizinischen Versorgung durch eine spezifische Diagnostik, Therapie und ein Präventionsangebot nach aktuell wissenschaftlichem Stand.“

 

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