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Meldungen | 09.08.2025

Zum Tag der Buchliebhaber*innen: Sieben Fakten zu Büchern und ihrem Potential zur Sprachförderung

Was passiert, wenn Kinder früh mit dem Lesen beginnen? Welche Vorteile für die Entwicklung kann das Lesen mit sich bringen? Und was steckt hinter dem Konzept „Bücher auf Rezept“? Zum Tag der Buchliebhaber*innen am 9. August 2025 haben wir für Sie sieben faszinierende Fakten zu dem wohl schönsten Hobby der Welt zusammengestellt. Viel Spaß beim Lesen und Staunen!

Fakt 1: Neue Medien verändern das (Vor-)leseerlebnis von Kindern

Von Mitmachbüchern bis hin zu Escape- und Rätselbüchern gibt es seit dem Einzug der neuen Medien in unsere Alltagswelt eine Menge zu entdecken. Das belegen auch Studien. 43 Prozent der Eltern haben bereits Apps für Kinder genutzt – davon 26 Prozent zum Vorlesen, wie aus dem Lesemonitor 2024 des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen hervorgeht. Auch spielerische Elemente und Aktionsideen rund um das Lesen und Vorlesen sind beliebt.

Fakt 2: (Vor-)lesen als Ritual wird weltweit praktiziert

In vielen Kulturen gibt es spannende Rituale rund um das (Vor-)lesen. So gibt es in Japan das Papiertheater „Kamishibai“ – eine traditionelle Erzählkunst, bei der Bilder auf Kartons in einem kleinen hölzernen Theater gezeigt werden, während ein*e Erzähler*in die Geschichte vorliest. In der Maori-Kultur (Neuseeland) ist das Vorlesen oder Erzählen von Geschichten Teil des „Whakawhanaungatanga“ – der Praxis, Beziehungen und Identität durch Erzählungen aufzubauen. Das Ritual wird oft in Gemeinschaftshäusern (Marae) praktiziert, wo Geschichten aus der Ahnenreihe erzählt werden. In Lateinamerika gibt es die berühmten Lesezirkel, auch „Rondas de lectura“ genannt. Hierbei lesen Erwachsene und Kinder gemeinsam und sprechen anschließend über das Gelesene.

Gerade solche interaktiven Momente machen das gemeinsame Leseerlebnis zu etwas Besonderem – und beeinflussen zudem positiv die Entwicklung des Kindes. Diese sind übrigens auch im kleinen Rahmen zuhause möglich. Dafür braucht es nicht viel: Wer seinem Kind vorliest und mit ihm zu der Lektüre in den Austausch tritt, fördert die Sprachentwicklung seines Kindes.

Und damit können Sie bereits im Babyalter anfangen. Auch wenn das Kind noch nicht versteht, was Sie sagen, profitieren Babys enorm von Büchern. Unser Tipp: Beschreiben Sie die Bilder und Szenen – zum Beispiel: „Guck mal, da ist ein Hund. Der macht Wau-Wau.“ Weitere Tipps finden Sie auf unserem Faltplakat „Sprachentwicklung: So unterstützen Sie Ihr Kind! 1. Lebensjahr“.

Die Stiftung Lesen verweist im Lesemonitor 2024 zudem darauf, dass das Vorlesen entscheidende Fähigkeiten für die Zukunft trainiert: Kinder, die frühzeitig positive Vorleseerfahrungen machen, tun sich beim eigenen Leseerwerb und ganz grundsätzlich in allen Schulfächern leichter. Diese Erfahrungen werden häufig auch an die nächste Generation weitergegeben.

Fakt 3: Frühes Lesen fördert die kognitiven Fähigkeiten des Kindes nachhaltig

 

© Helena Lopez – www.pexels.com

 

Im Vorschulalter verfügt das Gehirn über eine hohe Neuroplastizität. Das heißt: Reize können besonders leicht verarbeitet werden und lösen einen dynamischen „Umbau“ im Gehirn aus. Lesenlernen in dieser Phase:

  • formt neuronale Strukturen nachhaltig und
  • beeinflusst auch die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und das logische Denken.

Im frühen Alter wird eine spezialisierte Hirnregion ausgebildet, die als visuelles Wortformareal (VWFA) bezeichnet wird. Diese Region ist entscheidend für das schnelle Erkennen von geschriebenen Wörtern. Bei früh lesenden Kindern reift dieses Areal schneller.

Fakt 4: Lesen fördert Empathie

Auch die soziale Ebene wird durch das Lesen gefördert. So schafft das Eintauchen in Geschichten und Charaktere ein besseres Verständnis für die Gefühle und Perspektiven anderer Menschen. Das geht auch aus der Untersuchung von Bal und Veltkamp hervor. In zwei experimentellen Studien haben die Wissenschaftler untersucht, ob ein fiktionaler Text die Empathiefähigkeit verändert. Das Ergebnis: Personen, die emotional tief in die Geschichte eintauchten, zeigten nach einer Woche signifikant erhöhte Empathiewerte.

Fakt 5: Bücher auf Rezept – Ja, das gibt’s!

„Books on Prescription“ – so heißt das Programm in Großbritannien, bei dem Ärzt*innen Bücher zur Unterstützung der psychischen Gesundheit verschreiben. Das nationale Programm wurde in Cardiff, Wales, von Professor Neil Frude, einem klinischen Psychologen, entwickelt und wird seit 2013 praktiziert.

In Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Bibliotheksnetzwerk werden dabei Bücher aus einer extra für das Projekt zusammengestellten Liste verschrieben. Diese Bücher können in zahlreichen öffentlichen Bibliotheken in Großbritannien ausgeliehen werden.

 

© Alexa Kei – pexels.com

Fakt 6: Der Weltrekord im Schnelllesen liegt derzeit bei 25.000 Wörtern pro Minute

1990 stellte Howard Berg den beeindruckenden Weltrekord im Schnelllesen. Zum Vergleich: Beim normalen Lesen zur Informationsaufnahme oder zum Verstehen liegt die Geschwindigkeit bei etwa 200 bis 300 Wörtern pro Minute.

Fakt 7: Das längste Buch der Welt hat über 1,2 Millionen Wörter

Marcel Proust stellte diesen Rekord mit seinem Werk „À la recherche du temps perdu“ (auf Deutsch: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“) auf.

Dieses monumentale Werk ist auf sieben Bände verteilt und wurde zwischen 1913 und 1927 veröffentlicht.

Auch wenn es inzwischen längere Werke gibt – etwa „Mission Earth“ von L. Ron Hubbard oder manche umfangreiche Online-Romane – gilt Prousts Werk als das bekannteste und wird in vielen literarischen Kreisen nicht nur für seine Länge, sondern vor allem für seine inhaltliche Tiefe geschätzt.

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