Presseinformation

Bundesweiter Vorlesetag am 21. November 2025

Bitte lies mir vor! Lütfen bana oku! Peux-tu me lire? – Vorlesen wirkt in allen Sprachen
Frechen, 12. November 2025. Unter dem Motto „Vorlesen spricht Deine Sprache“ findet am 21. November der bundesweite Vorlesetag statt und rückt das Vorlesen in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Sonja Utikal vom Deutschen Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl) erklärt, warum das Vorlesen für Kinder ein unverzichtbarer Impuls für ihre sprachliche, kognitive und emotionale Entwicklung ist – ganz gleich, in welcher Sprache vorgelesen wird.

Welche Bedeutung hat das Vorlesen für die kindliche Entwicklung?

Utikal: Vorlesen wurde von der Stiftung Lesen in der Vergangenheit bereits einmal als „Superkraft“ bezeichnet – und dafür gibt es viele Gründe. Zunächst einmal: Vorlesen kostet kein Geld und kann flexibel im individuellen Alltag eingebaut werden. Dieser Vorteil sollte in Zeiten wachsenden ökonomischen Drucks, unter dem viele Familien stehen, nicht unterschätzt werden. Zudem ist die positive Wirkung des Vorlesens durch zahlreiche Studien belegt: Es wirkt sich langfristig positiv auf das spätere Leseverhalten, die Mediennutzung, den Schulerfolg und auch auf das Freizeitverhalten aus. Nicht zuletzt stärkt die Vorlesesituation in den Familien den emotionalen Kontakt zwischen Eltern und Kindern. Damit ist das Vorlesen eine besonders nachhaltige Investition in die gesamte kindliche Entwicklung.

Kann Vorlesen auch die Sprachentwicklung von Kindern unterstützen?

Utikal: Sprachgesunde Kinder, die in ihrer sprachlichen Entwicklung lediglich etwas „hinterherhinken“, profitieren vom regelmäßigen Vorlesen, weil es sie dabei unterstützt, ihren Rückstand zu verkleinern oder aufzuholen. Dies gilt insbesondere, wenn beim Vorlesen das Gespräch mit dem Kind gesucht wird (sogenanntes „dialogisches Lesen“ oder „dialogische Bilderbuchbetrachtung“). Die Fortschritte zeigten sich sowohl beim Wortschatz als auch in der Grammatik und in der allgemeinen sprachlichen Ausdrucksfähigkeit.

In welcher Sprache sollten Eltern mehrsprachig aufwachsender Kinder vorlesen?

 Utikal: Es spielt keine Rolle, in welcher Sprache vorgelesen wird. Wichtiger ist, dass die Eltern ihrem Kind in einer Sprache vorlesen, die sie selbst gut beherrschen. Auf diese Weise kann auch die mehrsprachige Sprachentwicklung gefördert werden. Denn Sprachmischungen gehören zum Alltag in mehrsprachigen Familien und das schadet dem Kind nicht. Dennoch gehört zum Erwerb jeder Sprache ein ausreichender Input. Der ist pro Sprache in mehrsprachigen Umgebungen geringer und das lässt sich hervorragend durch Vorlesesituationen „begradigen“. Tagsüber in der Kita hört ein Kind z. B. viel Deutsch. Zu Hause kann beim Vorlesen dann gezielt die andere Sprache gefördert werden.

Wie finden Eltern die richtige Lektüre für ihre Kinder?

 Utikal: Generell gilt, dass die Lektüre immer zum Alter und zu den Interessen des jeweiligen Kindes passen muss. Deshalb sollte man sich die Bücher genau anschauen, bevor man sie vorliest. Sind die Kinder noch sehr jung, spielen vor allem die Illustrationen eine wichtige Rolle.

Das große Angebot an Büchern für Kinder und Jugendliche, 2024 waren es mehr als 7589 Titel, macht aber die Auswahl in der Tat schwierig. Hilfreich finde ich die Buch- und Medientipps aus dem Programm „Lesestart 1 2 3“ der Stiftung Lesen oder das kostenlose Angebot „Einfach vorlesen!” Dort gibt es auch eine tolle App, die kostenlos und nach Altersstufen vorsortiert wöchentlich neue Bücher anbietet, die dann am Tablet oder Smartphone vorgelesen und gemeinsam betrachtet werden können.


Der Deutsche Bundesverband für Logopädie e. V. (dbl) ist seit 1964 der Berufs- und Fachverband für Logopäd*innen und weitere Sprachtherapieberufe in Deutschland. Er vertritt die berufspolitischen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik, Selbstverwaltung und Kostenträgern. Er fördert die Wissenschaft auf dem Gebiet der Logopädie, setzt sich für eine evidenzbasierte, qualitätsgesicherte Versorgung ein und macht logopädisches Wissen in der Öffentlichkeit sichtbar.

Kontakt: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl), Augustinusstr. 11 a, 50226 Frechen, Pressereferat, Nikola Depel, mobil: 01590.4817365, Klaudia Kasek, mobil: 01556.0315758, E-Mail: [email protected], Internet: www.dbl-ev.de

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