
Gastgeberin: Antje Krüger (Interessenvertretung Bildung)
Gäste: Ricki Nusser-Müller-Busch, Dr. Heidi Macha-Krau, Dietlinde Schrey-Dern (Logopädinnen)
Im April 1968 wurde Rudi Dutschke, führender Vertreter der außerparlamentarischen Opposition, bei einem Attentat im politisch aufgeheizten West-Berlin durch mehrere Kopfschüsse schwer verletzt. Er erlitt eine Aphasie und eine Hemianopsie. Über Monate hinweg arbeiteten er und sein Freund, der Psychologe Thomas Ehleiter, täglich bis zu zehn Stunden an seiner Rehabilitation. Dank seiner kämpferischen Willenskraft und ausgeprägten Resilienz konnte Dutschke fünf Jahre später promovieren und begann, sich politisch neu zu engagieren. Er starb 1979 an den Spätfolgen der posttraumatischen Epilepsie.
Die Analyse der historischen Falldarstellung basiert auf Dutschkes Krankenakte, persönlichen Aufzeichnungen von Ehleiter und Interviews mit Zeitzeug*innen. Die Studie belegt eine außergewöhnlich intensive, personenzentrierte Therapie lange vor der Einführung standardisierter Aphasie-Diagnostik – mit Ehleiters Therapieansatz, der heutigen ICF-Kriterien in bemerkenswerter Weise vorgriff.
Diskutiert werden der damalige Stand der Aphasiologie und die Wirkung von Intensivtherapie.
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