In Zeiten des Fachkräftemangels ist es für logopädische Praxen eine enorme Herausforderung, ihre Patient*innen annähernd bedarfsgerecht zu versorgen. Anhand einer quantitativen Fragebogenerhebung und einer vertiefenden qualitativen Datenerhebung wurde die Versorgungssituation in der ambulanten Logopädie bezogen auf Wartezeiten und personelle Ressourcen erforscht und das damit einhergehende Belastungserleben von Logopäd*innen ermittelt. Außerdem wurde untersucht, welche Strategien die Praxen anwenden, um ihre Patient*innen angesichts der prekären Versorgungslage bestmöglich zu versorgen. Der Fokus des vorliegenden Artikels liegt auf der Beschreibung der hier genutzten Strategien. Es wurde festgestellt, dass die Versorgungslage bei durchschnittlich 37,2 Wochen Wartezeit auf einen Therapieplatz nachmittags und im Schnitt 1,6 unbesetzten Stellen pro logopädischer Praxis mit teils langen Vakanzzeiten von den Praxisinhaber*innen als sehr belastend empfunden wird. Um die Versorgung zu gewährleisten, werden verschiedene patient*innenbezogene und personalbezogene Strategien angewandt. Zu den meistgenutzten patient*innenbezogenen Strategien gehören die Priorisierung bestimmter Patient*innen bei der Vergabe von Therapieplätzen sowie die Einrichtung von Springerplätzen (Allokationsstrategien). Zur Gewinnung und Bindung von logopädischem Personal wurde am häufigsten das Angebot bezahlter Fortbildungen genannt. Insgesamt weist die Studie auf eine vielfältige Anwendung von Strategien hin, die darauf abzielen, die Versorgung trotz festgestellter Unterversorgung zu gewährleisten. Eine Verbesserung kann jedoch nicht auf Mikroebene erfolgen, sondern erfordert weitere Forschung zu innovativen Versorgungsstrategien sowie eine berufspolitische Diskussion. Die hier erhobenen Daten bieten dafür eine gute Grundlage.
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