Selektiver Mutismus stellt eine komplexe kommunikative Herausforderung dar, die vielfältige biografische, emotionale und kontextuelle Einflussfaktoren umfasst. Der Beitrag beleuchtet aktuelle theoretische und praktische Bausteine der Kooperativen Mutismustherapie (KoMut), die auf den Prinzipien der Kooperativen Pädagogik, der Systemtheorie und konstruktivistischen Annahmen basieren. Zentrale Leitidee ist die Orientierung an hilfreichen statt an normativen Kategorien („richtig“ oder „falsch“), wodurch individuelle Unterschiede nicht nivelliert, sondern als Ressourcen für Kooperation und Teilhabe verstanden werden. Anhand theoretischer Reflexionen und klinischer Praxisbeispiele werden mögliche Herausforderungen wie Angst, Scham, Migration und Bindung als Wirkfaktoren diskutiert, die sowohl das Schweigen stabilisieren, als auch zu dessen Überwindung beitragen können. Ziel ist die Gestaltung von Möglichkeitsräumen, die den Betroffenen eine Erweiterung ihrer Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit erlauben – im eigenen Tempo, unter Wahrung ihrer Identität und in gleichwertiger Kooperation aller Beteiligten. Diese Räume werden durch die Bausteine der Kooperativen Mutismustherapie gestaltet.
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