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Meldungen, Newsletter-Nichtmitglieder 29.04.2019 11:29 Alter: 24 Tage

Gesundheitskompetenz – (k)ein Thema für die Pflege?

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung und der Deutsche Pflegerat e. V. luden nach Berlin ein

Frauke Kern und Staatssekretär Andreas Westerfellhaus (Foto: privat)

Welche Herausforderungen und Chancen das Thema Gesundheitskompetenz speziell für die Pflege bietet, diskutierten Expertinnen und Experten auf der gemeinsamen Veranstaltung des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Prof. Dr. Doris Schaeffer und geladene Gäste am 10. April 2019. Für den dbl war Frauke Kern, Interessenvertretung Freiberufler, vor Ort.

Gesundheitsinformationen finden, richtig verstehen, beurteilen und anzuwenden scheint für viele Menschen eine große Herausforderung. In Deutschland haben mehr als die Hälfte der Menschen eine unzureichende Gesundheitskompetenz, was sich stark auf ihre Lebensqualität auswirkt.

„Patienten, Pflegebedürftige und deren Angehörige benötigen eine adressatengerechte Informationsbereitstellung und –vermittlung. Wir müssen hier alles tun, um sie zu unterstützen, sich in unserem Versorgungssystem zurechtzufinden und gesundheitsbezogene Entscheidungen selbstbestimmt treffen zu können.“, so Westerfellhaus. Pflegefachpersonen kommt dabei eine besondere Aufgabe zu, denn: „sie sind in allen Bereichen des Gesundheitssystems präsent und stehen in besonders engem Kontakt zu Patienten, Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Ihnen fällt somit eine Schlüsselrolle zu, Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz zu erkennen, zu unterstützen und zu befähigen“.

Laut Prof. Dr. Schaeffer haben „insbesondere ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, mit geringem Bildungsstatus oder mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten, gesundheitsbezogene Informationen richtig einzusetzen und eine gezielte Entscheidung für eine gesunde Lebensweise oder Krankheitsbewältigung zu treffen“. Die Gesundheitswissenschaftlerin betonte, dass Gesundheitskompetenz grundsätzlich einen höheren Stellenwert im Gesundheitssystem einnehmen und das Gesundheitssystem nutzerfreundlich gestaltet werden müsse. Dass der Pflege dabei eine besondere Rolle zukommt, wurde ausdrücklich unterstrichen aber auch gezeigt, dass bestimmte Voraussetzungen erforderlich seien. Die aktuellen Pflegereformen böten dazu zwar erste Ansatzpunkte, aber der bestehende Fachkräftemangel, die Arbeitsbedingungen in der Pflege, die Ausbildungsqualität der Pflegenden und die fehlende Verantwortungsübertragung auf die Pflege machten eine optimale Umsetzung in der Praxis fast unmöglich. Die „sprechende Medizin“ würde im heutigen Gesundheitssystem zugunsten der Wirtschaftlichkeitskriterien sowohl in der Pflege als auch im Arztberuf unterdrückt.

Die Experten sind sich einig, dass die Zusammenarbeit und Verständigung aller Berufsgruppen im Gesundheitswesen verbessert werden muss, um Menschen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz wirkungsvoll zu unterstützen. In der Diskussionsrunde vertraten alle Anwesenden den Wunsch, dass bessere und effektivere Methoden für eine gelingende Kommunikationskultur geschaffen und von der Politik unterstützt werden müssten. Im Fokus solle dabei die sprechende Medizin stehen und die heute üblichen Kurzkontakte der Vergangenheit angehören. Dazu bedürfe es einer Reformierung der Ausbildung der Pflege, in der die Kommunikation im Pflegebegriff und in den Curricula integriert seien und eine engere Kooperation der Pflegeverbände auf Länderebene. Insgesamt solle die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten (Pflege, Patienten, Angehörige, Selbsthilfe/Patientenvertreter, Ärzte, Heilmittelerbringer) ausgebaut werden. Die Diskussion gab darüber hinaus viele Anregungen, wie Einrichtungen selbst gesundheitskompetent werden können, und inwiefern Gesundheitskompetenz künftig ein Indikator für die Qualität einer Einrichtung sein kann.

Prof. Dr. Schaeffer wünschte sich in einem internen Gespräch mit Frauke Kern, dass die Logopädie als Kommunikationsexperte hier deutlich mehr ihre Expertise einbringen sollte.

Im Gespräch zwischen Frauke Kern und Staatssekretär Westerfellhaus war man sich einig, dass im Hinblick auf mehr Kooperation und Austausch Gespräche mit der Logopädie sinnvoll seien. Ein Gesprächstermin ist für Herbst in Aussicht gestellt worden. Hierbei wird auch die Zusammenarbeit beim Thema Digitalisierung (E-Health-Gesetz) wichtig werden.

Von: GS/kabe

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