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Meldungen, Newsletter-Nichtmitglieder 09.04.2019 15:35 Alter: 16 Tage

Zentrale Veranstaltung zur "Landesberichterstattung Gesundheitsberufe 2017" am 04. April 2019

V. l. n. r.: Prof. Dr. jur. Anne Friedrichs (hsg), Dieter W. Welsink (Medicora), Thomas Kutschke (BLGS), Held (Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege), Brigitte von Germeten-Ortmann (Krankenhausgesellschaft NRW), Prof. Dr. Thomas Evers (MAGS), Moderator: Andreas Burkert (MAGS) (Foto: privat)

Zu dieser Veranstaltung am 4. April hatte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) nach Düsseldorf eingeladen. Gerhard Herrmann, Abteilung VI, Pflege, Alter, demographische Entwicklung, wies in seiner Eingangsrede erneut auf den hohen Fachkräftemangel in der Pflege und den Therapieberufen hin, der aufgrund langjähriger Entwicklung zustande kam. Aus Sicht des MAGS ist ein Umbau des Gesundheitswesens notwendig, der eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht und „Standesdünkel“ ersetzt. Dass die Attraktivität der Berufe im Gesundheitswesen steigen müsse und einher gehen müsse mit einer Stärkung der Berufe, sei dabei unerlässlich, so Herrmann. Zugleich wies er darauf hin, dass NRW einen ersten Schritt gemacht hat, in dem das Land 70 Prozent der Ausbildungskosten in den Therapieberufen übernehme. Die Qualität der Versorgung stehe dabei im besonderen Fokus. Die Frage der künftigen Ausbildungsform in den Therapieberufen sei abzuwarten, vermutlich werde sich dies in 2020 klären.

Helga Gessenich vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e. V. (dip) stellte anhand der Pflege die Ergebnisse der Landesberichterstattung vor, die den Fachkräftemangel und die zunehmenden Versorgungslücken in der Pflege und den Therapieberufen verdeutlicht. In der Landesberichterstattung wurde erstmalig auch die Situation der Ausbildung und Beschäftigung der Therapieberufe näher untersucht, unter anderem auch die Situation in der ambulanten Versorgung. Auch in der Logopädie wird die Personalsituation zunehmend kritisch, da die Besetzung der Stellen häufig länger als sechs Monate dauert. Deutlich wurde in der Befragung zur Situation der Logopädinnen und Logopäden, dass die berufliche Tätigkeit, vor allem die Bezahlung, die fehlende Anerkennung durch andere Professionen, fehlende Karriereoptionen und die Unzufriedenheit mit den therapiebezogenen rechtlichen Rahmenbedingungen, dazu beitragen, den Beruf zu verlassen (siehe unsere Meldung vom 05. Februar 2019).

Nach einer Pause schloss sich den Vorträgen eine Podiumsdiskussion an, zu der Prof. Dr. Thomas Evers (Leitung der Abteilung Gesundheitsfachberufe, Beratungsstrukturen des MAGS), Prof. Dr. jur. Anne Friedrichs, Präsidentin der Hochschule für Gesundheit in Bochum (hsg), Thomas Kutschke, Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS e. V.) Landesverband NRW, Frau Held, Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege, Dieter W. Welsink, Geschäftsführender Gesellschafter Medicora und Brigitte von Germeten-Ortmann, Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen eingeladen waren. Neben dem Thema zur Umsetzung der Pflegeberufereform und des in acht Monaten zu erwartenden Einstieg in die generalistische Pflegeausbildung, wurden die Themen Akademisierung der Gesundheitsberufe, Einstieg in die Schulgeldfreiheit und die Einrichtung der Pflegekammer in NRW diskutiert.

Friedrichs brachte zum Thema Akademisierung erneut sehr klar und deutlich zum Ausdruck, dass die hochschulische Ausbildung in den Therapieberufen nur mit einer Gesetzesänderung einhergehen könne, die nicht mehr die berufsfachschulische Ausbildung als Grundlage habe. Das Weiteren müsse künftig das Promotionsrecht den Fachhochschulen zustehen. In NRW wird dies voraussichtlich im Sommer durch eine Novelle des Hochschulgesetzes erleichtert werden. Kritisch sahen die Diskussionsteilnehmer/innen die Entwicklung in den Gesundheitsberufen vor dem von Verdi verfolgten Ziel der Ausbildungsvergütung, die nach einhelliger Auffassung, auch in der sich anschließenden Plenumsdiskussion deutlich vorgebracht, der Zielsetzung der regelhaften hochschulischen Ausbildung entgegenstünde. Die Frage der 100 Prozentigen Akademisierung der Therapieberufe wurde nur kurz diskutiert. Die immer wieder auftretende Frage nach der Finanzierung dieser Ausbildung scheint eine der Hauptgründe für die Bundesländer zu sein, sich nur zögerlich an dieses Thema zu wagen.

Insgesamt handelte es sich um eine anregende Diskussion, die nach kurzen Statements der eingeladenen Teilnehmer/innen zu einer Plenumsdiskussion geöffnet wurde. In dieser wurden eine Vielzahl von Problemfeldern angesprochen und aufgezeigt. Sie reichten von der Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung und der fehlenden hochschulisch ausgebildeten Lehrkräfte über den Wunsch nach einer 100 Prozentigen entgeltfreien Ausbildung (berufsfach- und hochschulisch) in den Therapieberufen, mehr Einblick und Transparenz in die Arbeit der Bund-Länder-AG zur Gesetzesnovellierung der Gesundheitsfachberufe, bis hin zur Fragestellung der Kammer für alle Gesundheitsberufe.

Azzisa Pula-Keuneke, Referat Bildung

Von: GS/kabe