Sie befinden sich hier: Startseite > Service > Meldungen > Einzelansicht 

Meldungen

Meldungen, Sprachstandserhebung/Sprachförderung 04.08.2014 11:40 Alter: 4 Jahr(e)

Arbeitstreffen „Forum Sprache“ zur Zukunft der Sprachstandserhebung in Deutschland

Foto (v.l.n.r.): Anne Zöllner, Sonja Utikal, Johannes Mertens.

Am 17.07.2014 lud das Kultusministerium BW zum 3. Arbeitstreffen „Forum Sprache“ viele Vertreterinnen und Vertreter, die sich die Etablierung eines bundeseinheitlichen Verfahrens zur Sprachstandserhebung zum Ziel gesetzt haben, nach Baden-Württemberg ein. Vom dbl nahmen Sonja Utikal, die in der dbl-Geschäftsstelle zukünftig u.a. für das Thema Sprachförderung zuständig ist, Andrea Leiherr und Anne Zöllner vom Landesverband Baden-Württemberg sowie Rebecca Göbel vom Landesverband Hessen teil.

Johannes Mertens, Projektmanager Kindersprachscreening des Hessischen Kindervorsorgezentrums am Universitätsklinikum der Goethe-Universität Frankfurt/Main, führte durch die Veranstaltung. Frau Engemann vom Kultusministerium berichtete über die Erfahrungen mit der Richtlinie „Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf“ (SPATZ). Aus ihrer Sicht seien sie durchgängig positiv und als fortsetzungswürdig eingestuft. Es werde im nächsten Jahr mit einer hohen Flüchtlingswelle zu rechnen sein. Deshalb sei die Verknüpfung von Kindergarten und Schule so dringend notwendig, um die Migrationskinder gut aufzufangen.
Zusätzlich ging sie auf das Konzept „Schulreifes Kind“ ein. Es handelt sich hierbei um ein „Kooperationskonzept zwischen Kindergarten und Grundschule zur optimalen Förderung von förderbedürftigen Kindern in unterschiedlichen Bereichen“ rechtzeitig vor dem Schuleintritt. Es setze dort an, wo über die Zielsetzungen des Orientierungsplans hinaus Förderbedarf bestehe.“ (Weitere Informationen dazu finden Sie hier).

In diesem Zusammenhang wurde auch die Handreichung „Zusatzförderung von Kindern mit Entwicklungsrisiken" von Prof. H. Schöler, W. Schneider, M. Hasselhorn u.a. für pädagogische Fachkräfte im Übergang vom Elementar- zum Primarbereich vorgestellt.

Frau Dr. Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BV ÖGD) plädierte in ihrem Vortrag dafür, alle Sozialversicherungsträger als Kostenträger zur Umsetzung des Präventionsgesetzes einzubeziehen. Sie betonte, dass die allgemeine Tendenz der Gesellschaft zur ambulanten u n d stationären Prävention gehe.
Herr Dr. Rodens, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg unter Bezugnahme auf Statistiken der AOK und BEK von der gestiegenen Zahl von Logopädie-Verordnungen seit Durchführung der Einschulungsuntersuchung.

Sonja Utikal machte in ihrem Vortrag auf die Fachexpertise der LogopädInnen an der Schnittstelle zwischen Gesundheitssystem und Bildungssektor aufmerksam. Insbesondere hinsichtlich der Unterscheidung von Sprachtherapie- oder Sprachförderbedarf seien diese bereits heute unverzichtbar. Sie machte deutlich, dass LogopädInnen aufgrund ihrer speziellen Qualifikation im Bezug auf die Sprachentwicklung wichtige Partner sowohl für den Gesundheits- als auch für den Bildungssektor sind - gerade auch hinsichtlich des Themas Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit. Abschließend wies sie noch einmal auf die Bedeutung einer einheitlichen, gemeinsamen Terminologie auf der Grundlage der AWMF-Leitlinien zur USES (2011) hin, insbesondere hinsichtlich der Begriffe (umgebungsbedingte) Sprachauffälligkeiten, Sprachentwicklungsverzögerung und Sprachentwicklungsstörung.

Frau Schubert, Präsidentin des dbs, zeigte die Notwendigkeit der Vernetzung von Kindergärten und Schulen auf. Ihr Vortag machte deutlich, dass es durch eine Sprachverarbeitungsstörung häufig zu einer Lese-Rechtschreib-Störung komme, weshalb ein frühzeitiges Intervenieren (noch vor dem 4. Lebensjahr) auch im Sinne der Prävention wichtig sei.

Herr Dr. Neugebauer stellte Ergebnisse seiner Mercator-Studie zur Qualität von Sprachstandsverfahren im Elementarbereich vor. Er zeigte auf, dass lediglich der SETK 3-5 sowie LiSeDaZ eine tendenzielle Differenzierung zwischen Sprachförderbedarf und Sprachtherapiebedarf ermöglichen. Bezüglich des SETK 3-5 machte er jedoch auf die nicht repräsentative Normierungsstichprobe bezüglich der Vierjährigen sowie auf die veralteten Normdaten (10 Jahre) aufmerksam. Seine Hauptkritik bezog sich jedoch auf die Schwierigkeit, überhaupt Zugang zu Daten von Verfahren zu Sprachstandserhebungen aus allen Bundesländern zu erhalten. Außerdem kritisierte er, dass die Hälfte aller einschlägigen Verfahren nur 16 oder weniger der insgesamt von ihm zugrunde gelegten 32 Qualitätsmerkmale ausreichend erfüllen. Dies sei - trotz des wahrnehmbaren Bemühens, den diagnostischen Standards zu genügen - nicht ausreichend.

Sowohl in den Vorträgen als auch in den Pausengesprächen wurde deutlich, dass die Fachkompetenz der Logopädie noch nicht ausreichend wahrgenommen wird: Alle Sprachstandsverfahren (Screenings und Tests) werden von nachträglich geschulten Fachkräften durchgeführt. Oftmals wird z.B. der SETK 3-5 durch Medizinische Assistentinnen durchgeführt und von Gesundheitsamtsärzten ausgewertet. Auf Nachfragen zur dauerhaften Sicherung und Erweiterung der Sprachentwicklungs- und -beurteilungskompetenz dieser Fachkräfte und zur Qualitätskontrolle der Sprachförderprogramme durch die Kultusministerien erhielten wir die Antwort, dass dies leider noch nicht umgesetzt werde.


Anne Zöllner
2. LVV Baden-Württemberg





 

Von: (GS/Feit)

Downloads/Links