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Meldungen 15.08.2011 11:20 Alter: 8 Jahr(e)

Nachruf auf eine große Logopädin: Dr. Luise Springer

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie trauert um sein am 11. August 2011 verstorbenes Ehrenmitglied Dr. Luise Springer.

"Wenn man das Element der Intention aus der Sprache entfernt, so bricht ihre ganze Funktion zusammen." (Wittgenstein)


Luise Springer wurde 1947 in Wien geboren, absolvierte dort eine Ausbildung zur heilpädagogischen Erzieherin, bevor sie nach Berlin ging, um dort 1975 ihre Ausbildung zur Logopädin an der Lehranstalt "Im Dol" abzuschließen. Schon 1976 folgte sie dem Ruf von Prof. Poeck nach Aachen, um am Klinikum der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule eine Lehranstalt für Logopädie aufzubauen, die sie bis Februar 2011 leitete.
Die ursprüngliche Intention von Prof. Poeck war, Aphasietherapeuten am Klinikum in Aachen auszubilden. Luise Springer überzeugte ihn, dass nur eine umfassende Ausbildung im Bereich Logopädie die Grundlage für eine sachgemäße therapeutische Versorgung von Aphasiepatienten bietet. Ganz in diesem Geist hat sie auch am Aufbau des Studiengangs "Lehr- und Forschungslogopädie", der 1992 als Modellstudiengang zugelassen wurde, mitgewirkt. Der Studiengang ist Ausdruck ihres eigenen Anspruchs an die Qualität therapeutischer Arbeit und die Entwicklung einer logopädiespezifischen Therapieforschung. Ohne das Engagement von Dr. Luise Springer wäre die Entwicklung der akademisch geprägten Logopädie in Deutschland nicht denkbar.

Die Verknüpfung von berufspolitischem Engagement und fachwissenschaftlicher Entwicklung ist kennzeichnend für den beruflichen Werdegang von Luise Springer, angefangen bei der Therapeutin, über die Lehrende hin zur promovierten Forscherin im Bereich Aphasietherapie. Sie hatte dabei stets auch im Blick, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten weiter zu geben, Kollegen und Kolleginnen zu ermutigen und sie dabei zu unterstützen ihren Weg zu gehen. Dazu gehört auch ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement im Berufsverband. Sie war auf allen Ebenen zu Hause. Ob als Mitglied des Bundesvorstandes, Leiterin der Anerkennungskommission, Tagungsorganisatorin, Mitglied der Kommission Internationale Beziehungen oder Moderatorin auf dbl-Kongressen - ihr Engagement war stets getragen vom Interesse an der Sache und dies bedeutete für sie, die Logopädie berufspolitisch und fachwissenschaftlich voran zu bringen.

Dr. Luise Springer hat sich stets der Diskussion gestellt und den offenen und direkten Diskurs gesucht. Dabei war es unerheblich, ob sich Studierende, Lehrkräfte oder Professoren an sie wandten. Ihr Blick ging immer "über den Tellerrand" hinaus, sie war neugierig im positiven Sinne. Wenn sie etwas nicht kannte, stellte sie Fragen, versuchte herauszufinden, wie etwas gemeint sein könnte, und ob nicht vielleicht gerade dieser Gedanke Ansatzpunkt für etwas Neues bietet. Luise Springer lebte in einem schöpferischen, kreativen Labyrinth, aus dem sie spielend immer den Ausweg fand. Manchmal konnte man ihr kaum folgen, so schnell schritt sie voran. Wenn der Abstand allzu groß wurde, ging sie ein Stück zurück, versuchte das Tempo zu drosseln und sich damit abzufinden, dass es nicht ganz so schnell geht. Nun hat sie den Beginn der grundständigen Akademisierung doch noch miterleben und mitgestalten dürfen. Dies ist Trost und gleichzeitig Vermächtnis für uns und die gesamte deutsche Logopädie. Der Deutsche Bundesverband für Logopädie wird Dr. Luise Springer sehr vermissen.

Dietlinde Schrey-Dern für den Deutschen Bundesverband für Logopädie

Von: GS/anmu

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