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Meldungen, Newsletter-Nichtmitglieder 05.02.2019 16:38 Alter: 15 Tage

Landesberichterstattung Gesundheitsberufe Nordrhein-Westfalen 2017

Aktuelle Daten der Situation der Ausbildung und Beschäftigung

Die Landesberichterstattung 2017 für NRW wurde im Januar 2019 veröffentlicht. (Bild: © YuI)

Alle zwei Jahre legt NRW eine Landesberichterstattung vor, in der die Situation der Ausbildung und Beschäftigung der Gesundheitsberufe untersucht wird. Ziel ist es, den bestehenden Fachkräftebedarf in den Pflege- und Gesundheitsberufen zu erfassen. Die Landesberichterstattung wird vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V (dip) durchgeführt. Die Berichterstattung 2017 wurde nun im Januar 2019 veröffentlicht.

Für die Landesberichterstattung 2017 stand insbesondere die Situation der Therapieberufe im Vordergrund. Im Unterschied zu den Untersuchungen aus den vergangenen Jahren, in denen die Zahlen allein anhand vorliegender Statistiken erhoben wurden, wurde nun zur Gewinnung von Kennzahlen und Einschätzungen eine Online-Befragung von Selbständigen, Freiberuflichen und sozialversicherungspflichtigen Angestellten durchgeführt, um die derzeitige Situation der Patientenversorgung im ambulanten Sektor darstellen zu können.

Zusammengefasst zeigen die Befragungsergebnisse deutlich, dass sich in den Berufen der Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie der Fachkräftemangel in den letzten Jahren verschärft hat. Der Arbeitsmarkt zeigt keine Arbeitsmarktreserven auf und im Durchschnitt vergehen bis zu sieben Monate, um eine Stelle neu zu besetzen. So kommen in der Logopädie auf eine als arbeitslos gemeldete Logopädin 1,9 offene Stellen, Tendenz steigend. Für die Patientenversorgung bedeutet dies, dass derzeit die Wartezeiten in NRW auf einen Therapieplatz durchschnittlich 8,4 Wochen betragen.

Obwohl die Stellenbesetzung kritisch ist, plant durchschnittlich jede zweite Praxis einen Stellenaufbau, um die Patientenversorgung zu sichern. Auch dies wird wiederum zu einer Erhöhung der Nachfrage nach Logopädinnen und Logopäden führen.

Die Befragten der Therapieberufe der Ergotherapie und der Physiotherapie gaben ebenso wie die Befragten für die Logopädie an, dass die gesamten Rahmenbedingungen der beruflichen Tätigkeit kritisch gesehen werden. Dies betrifft vor allem die nicht-adäquate Bezahlung, die fehlende Anerkennung von anderen Professionen und ebenso die fehlenden Karriereoptionen und –chancen.

Zusammenfassend kommt die Berichterstattung zu dem Ergebnis, dass ein erheblicher Handlungsbedarf hinsichtlich des Ausbaus der Ausbildungsplätze in allen Gesundheitsberufen besteht. Der erste Schritt, den NRW in Bezug auf die Schulgeldbefreiung gegangen ist, mit der Übernahme eines Anteils von 70 Prozent, wird als wichtiger Schritt bewertet und gleichzeitig konstatiert, dass in den Mangelberufen die Schulgeldfreiheit gänzlich realisiert werden muss. Des Weiteren soll die Fachkräftesicherung durch die Akademisierung unterstützt werden. Die Akademisierung dient der „langfristigen gesellschaftlichen Aufwertung der Berufe sowie einer inhaltlichen Differenzierung und Professionalisierung“ und trägt zur Sicherung von Fachkräften bei.

Kritisch bleibt anzumerken, dass in der Landesberichterstattung 2017 in der Zusammenfassung und trotz der geschilderten Ergebnisse von einer Parallelität der Ausbildungen ausgegangen wird. Dies bedeutet das Nebeneinander der berufsfachschulischen und hochschulischen Ausbildung ohne weitere Differenzierung. Für die Logopädie ist dies nicht hinnehmbar. Die Forderung nach der hochschulischen Ausbildung als Regelausbildung ist und bleibt die Möglichkeit, eine zukunftsfähige Patientenversorgung zu gewährleisten, dem Fachkräftemangel und den o. g. kritischen Rahmenbedingungen zu begegnen und durch eigenständige Wissenschaft und Forschung die Logopädie weiterzuentwickeln. Eine „Unterstützung“ der Fachkräftesicherung durch die Akademisierung ist vor diesem Hintergrund zu wenig!

Die Landesberichterstattung steht unter diesem Link kostenlos zum Download bereit.

Azzisa Pula-Keuneke, Referat Bildung

Von: GS/kabe

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