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Meldungen 05.01.2018 15:31 Alter: 198 Tage

Kein Spielraum für Mehrausgaben?

Heil- und Hilfsmittelreport 2017 fokussiert auf Kosten

©Picture Factory - Fotolia.com

Die Barmer GEK geht offenbar in Abwehrhaltung in Bezug auf wachsende Ausgaben im Heilmittelbereich. Diesen Eindruck erweckt zumindest der gestern vorgestellte Heil- und Hilfsmittelreport 2017, der Zahlen für das Jahr 2016 präsentiert und ausführlich dem Thema Ausgabenwachstum gewidmet ist.

3 Prozent mehr Heilmittelausgaben

Der Bericht suggeriert eine Unverhältnismäßigkeit der positiven Steigerungsraten im Bereich der Heilmittel. Der Anteil der Heilmittelausgaben an den Leistungsausgaben der GKV ist laut Barmer von 2007 bis 2015 von 2,7 Prozent auf 3 Prozent angestiegen. Die absoluten Ausgaben für Heilmittel sind bei der Barmer 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 26 Millionen Euro (+ 3 %) gestiegen. Insbesondere bei den Heilmittelausgaben sei daher kein Spielraum für Mehrausgaben erkennbar, es sei denn, andere Leistungsbereiche würden beschnitten, um eine Umverteilung von Geldern zu ermöglichen, urteilt die Barmer.

Zum Vergleich: Das Gesundheitsministerium teilte Anfang 2017 mit, dass im Jahr 2016 die Kosten für ärztliche Behandlungen GKV-weit um 4,3 Prozent und die Kosten für Arzneimittel um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen waren. Die Reserven der Krankenkassen waren im gleichen Zeitraum übrigens um 2,5 Milliarden Euro gewachsen – das Jahr 2016 wurde also mit einem Überschuss abgeschlossen.

Als Bewertungsmaßstab hält die Barmer GEK in ihrem Report beharrlich an der Grundlohnsummenentwicklung fest. Dieser Bewertungsmaßstab wurde jedoch bewusst mit dem Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) ausgesetzt, da dieser die Vergütung im Bereich der Heilmittel als zu gering beurteilt hatte. Der Gesetzgeber hatte zu Recht die Versorgungsqualität in den Fokus gerückt.

69 Millionen Euro für logopädische Behandlungen

Laut Barmer GEK entstanden im Jahr 2016 Ausgaben in Höhe von 69 Millionen Euro für logopädische Behandlungen von Barmer-Versicherten, 80 Prozent davon für Behandlungen von Störungen der Sprache und 10 Prozent für Behandlungen von Störungen des Schluckaktes. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Ausgaben der Barmer für Logopädie 2016 um 3,5 Millionen Euro (+ 5,3 %) gestiegen. Mit 88 Prozent Anteil waren Einzelbehandlungen in der Logopädie die dominierende Leistungsart. Zur Alters- und Geschlechterverteilung stellt der Bericht fest: Bis zum 20. Lebensjahr und ab dem 55. Lebensjahr entfielen deutlich höhere Kosten auf männliche als auf weibliche Versicherte.

Auch zur geografischen Verteilung trifft die Barmer Aussagen: Von 2015 bis 2016 sind in vier Bundesländern die Ausgaben der Barmer für Logopädie zurückgegangen: in Berlin (- 0,8 %), Hamburg (- 0,2 %), Sachsen (- 2 %) und Sachsen-Anhalt (- 2,7 %). In allen anderen Bundesländern sind die Ausgaben gestiegen, in Bremen und Bayern überstieg dieses Plus sogar die Zehn-Prozent-Marke. Die Gesamtversorgung mit logopädischen Leistungen ist im Bundesdurchschnitt leicht gestiegen: Hier gibt die Barmer GEK eine Steigerung der Anzahl der Verordnungen um 0,65 Prozent an.

Besorgniserregend: sinkende Verordnungszahlen in Berlin, Hamburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt

"Besorgniserregend ist, dass die Anzahl abgerechneter Verordnungen in vielen Bundesländern gesunken ist, etwa in Berlin, Hamburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, weswegen hier zu prüfen ist, ob die Versorgung der Bevölkerung mit logopädischen Leistungen gefährdet ist", mahnt dbl-Präsidentin Dagmar Karrasch. Insgesamt greife der Bericht mit der Reduzierung der Entwicklungen im Heilmittelbereich auf die Kosten zu kurz. Die Krankenkassen sollten zusätzliche Mittel bereitstellen, um den durch Demografie und Krankheit steigenden Behandlungsbedarf der Versicherten zu decken, so die dbl-Präsidentin.

Den vollständigen Barmer GEK Heil- und Hilfsmittelreport finden Sie unter dem nachfolgenden Link.

Von: GS/mage