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Meldungen, Newsletter-Nichtmitglieder 07.11.2018 11:27 Alter: 11 Tage

Gesundheitskonferenz Baden-Württemberg

Fachforum zum Thema "Digitalisierung im Gesundheitswesen" bot dbl-Vertreterinnen interessante Einblicke in die Praxis

Baden-Württembers Sozialminister Manfred Lucha erläutert seine Konzepte zur Digitalisierung im Gesundheitswesen und zu den damit verbundenen Anfroderungen an den Datenschutz.

Am 25.10.2018 fand im baden-württembergischen Fellbach die jährliche Gesundheitskonferenz statt. Für den dbl nahmen die erste und zweite Vorsitzende des Landesverbandes BaWü, Anne Zöllner-Krause und Evelyn Knape teil.

In drei Fachforen ging es um die Themen: Digitalisierung im Gesundheitsweisen – Einblicke in die Praxis, Gesund älter werden und Gesundheit und Diversity. Am Nachmittag wurde in Form einer Podiumsdiskussion über die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen mit Manfred Lucha, Minister für Soziales und Integration in Baden-Württemberg, Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und Andreas Vogt, TK-Landesvertreter Baden-Württemberg referiert und intensiv diskutiert.

Im Sommer 2017 hatte die Landesregierung eine Strategie zur Förderung von Projekten beschlossen, welche sich mit der Digitalisierung von Prävention und Therapie beschäftigten sollten. 14 Projekte werden aktuell durch die Landesregierung finanziell unterstützt. Drei sehr unterschiedliche, geförderte Programme stellten am Vormittag ihre bisherigen Ergebnisse und Erkenntnisse vor.

Mithilfe elektronischer Medien (Tablett, Watches, Videokonferenzen und App) sollen Patienten und Klienten medizinisch, therapeutisch und sozial angeleitet und betreut werden.  Vorreiter in der Telemedizin ist Prof. Dr. Renner von der Universitätsklinik Tübingen. Er stellte ein datenschützendes, sicheres und äußerst effektives Programm zur internetbasierten Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit Zwangsstörungen vor. Die Uni Tübingen konnte mit eigenen IT-lern ein Therapieverfahren entwickeln, welches eine hohe Adhärenz bei den Probanden hervorrief und somit einen sehr guten Therapieerfolg erzielt.
Daneben wurde von einem Physiotherapeuten ein Programm für das häusliche Training von inkontinenten Patienten sowie das Projekt „Quit the Shit“ vorgestellt, das Jugendlichen Cannabis-Konsumenten hilft, einen Ausweg aus ihrer Sucht zu finden.
Die drei Referenten habe unisono die Sicherstellung des DSGVO als Herausforderung benannt.
Da das Projekt von Prof. Dr. Renner am ehesten auf andere Therapiebereiche – vor allem auf die logopädische Therapie - übertragbar zu sein scheint, haben wir mit ihm einen gesonderten Gesprächstermin, um über mögliche logopädische Einsatzbereich zu diskutieren.

Die teilnehmenden Vertreter der Krankenkassen AOK und TK standen dem Thema Teletherapie sehr aufgeschlossen gegenüber und waren der Ansicht, dass die Vergütung dieser Therapieform mit der „face-to-face“ Therapiesituation gleichzusetzen sei.

In der Podiumsdiskussion am Nachmittag betonte Sozialminister Manfred Lucha, dass es Aufgabe der Regierung sei, Patientendaten sicher zu schützen. Baden-Württemberg sei nicht nur Vorreiter in der Entwicklung der Digitalisierung im Gesundheitswesen, sondern gegenüber dem Bund auch ein wichtiger Impulsgeber hinsichtlich des Themas Datenkontrolle.

Dr. Johannes Fechner erläuterte das digitale Patienten-Hausarzt-Portal DocDirect. Hier stehe der Bevölkerung zukünftig an Werktagen von 9:00 bis 19:00 Uhr ärztlicher Rat zur Verfügung. Damit folgt Baden-Württemberg der Aufforderung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, ab April 2019 eine rasche Telemedizin für Patienten anzubieten. Zugang zu „DocDirect“ werden ausschließlich gesetzlich versicherte Patienten erhalten.

Andreas Vogt von der Techniker Krankenkasse stellte die „ePa“ (elektronische Patientenakte) vor, welche von seiner Kasse entwickelt worden ist. Die Bereitschaft, diese anzunehmen, sei hoch. Ähnliche Apps zur Speicherung eigener medizinischer Daten werden auch von der  AOK (Vivy) und anderen Anbietern entwickelt.

In der anschließenden Diskussionsrunde hatten wir Gelegenheit, folgende Fragen zu stellen, auf die es nicht in jedem Fall eine befriedigende Antwort gab:

Frage 1: Wird bis zur Fertigstellung und sicheren Anwendung der ePa seitens der Regierung ein datengeschütztes Kommunikationssystem zum Austausch von Patientenunterlagen (z.B. Berichte, Testergebnisse) zwischen Arzt und Therapeut in Auftrag gegeben? Hintergrund ist die durch die DSGVO entstandene Situation, dass der Austausch von Informationen und Berichten zwischen Therapeut und Arzt nicht mehr möglich ist – ein Zustand, der von beiden Seiten beklagt wird und die Zusammenarbeit erheblich erschwert.
Antwort: Diese Frage wurde leider nicht im Kontext verstanden und auf die ePa bezogen. Hier erfuhren wir, dass es mindestens noch bis 2021 dauern wird, bis die ePa funktioniert

Frage 2: Wer bezahlt die Entwicklung der ePa und stellt die Apps kostenfrei zur Verfügung?
Antwort: Selbstverständlich sei die App kostenfrei. Die Entwicklung koste jedoch mehrere Millionen Euro, die aus Sicht des TK-Vertreters von der Regierung hier finanzieren sind.

Frage 3: Sind die Geräte auf allen gängigen Betriebs- und Endgeräten funktionsfähig und untereinander kompatibel?
Antwort: Ja, alle Geräte und Betriebssysteme sollen untereinander kompatibel sei


Anne Zöllner-Krause

Von: (GS/Feit)