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Meldungen 19.04.2018 14:32 Alter: 124 Tage

Aufwertung der Logopädie gefordert

Gutachten "Logopädische Therapie und Selbständigkeit" vorgelegt

Mit Blick auf die Reichtagskuppel: Diskussion über die Zukunft der Logopädie als Beruf.

Am gestrigen Mittwoch hat Logo Deutschland, der Auftraggeber des Vorhabens, mit Prof. Dr. Josef Hilbert vom Institut Arbeit & Technik, in Berlin zur Präsentation des lange erwarteten Gutachtens zur beruflichen und ökonomischen Situation von Selbständigen in der Logopädie eingeladen. Dieses wurde vor ca. 30 Interessierten aus Heilmittelverbänden, dem GKV-Spitzenverband anderen Krankenkassenverbänden sowie einigen Bundestagsabgeordneten und weiteren wichtigen Repräsentanten aus dem Gesundheitssektor im Rahmen eines parlamentarischen Frühstücks vorgestellt. Sie wurden dabei vom Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne unterstützt. Für den dbl nahm Vorstandsmitglied Frauke Kern an der anderthalbstündigen Veranstaltung teil.

In der Veröffentlichung werden noch einmal alle Fakten zur gegenwärtigen Situation freiberuflicher Logopädinnen und Logopäden zusammengetragen: Von der Darstellung der Rahmenbedingungen freiberuflicher logopädischer Arbeit über die Vielfältigkeit der fachlichen Herausforderungen, der Relevanz des Berufes in der Gesundheitswirtschaft bis hin zu seiner Bedeutung für die Gesundheit und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten und die Gefährdung einer angemessenen Versorgung.

Ein wichtiges Thema ist die unzureichende Vergütung logopädischer Leistungen. Die Forderung für die zukünftige Entlohnung freiberuflicher Logopädinnen lehnt Prof. Hilbert an die Bezahlung von angestellten Logopädinnen und Logopäden nach TVöD an und bestätigt damit die Strategie, die der dbl seit Aussetzung der Grundlohnsummenanbindung in seinen Verhandlungen erfolgreich anwendet. Unter Berücksichtigung der bei Freiberuflern nötigen Rücklagen und Abgaben kommt der Soziologe von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen so auf einen notwendigen Satz von 65 Euro für die 45-minütige Therapie. Nur mit Preisen in dieser Höhe könne gewährleistet werden, dass auch Angestellten in logopädischen Praxen ein angemessener Lohn gezahlt werden könne. Aktuell liege dieser um ca. 30 Prozent unter dem Lohn von Angestellten in klinischen Einrichtungen.

MdB Kühne, selbst Physiotherapeut, betonte, dass die Heilmittel bislang von der Politik zu wenig gesehen würden. Es sei kurz vor 12 Uhr, die ökonomische Situation in den Praxen, die Abwanderung in andere Berufe und die daraus resultierende gefährdete Patientenversorgung seien eklatant. Die Krankenkassen müssen jetzt ihre Strategien und ihr Handeln ändern und die Vergütung weiter erhöhen, sonst würden sie mit Spätfolgen rechnen müssen. Neben zunehmender Probleme bei der Erfüllung des Versorgungsauftrags rechne er auch mit Folgekosten aufgrund von Fehl- und Unterversorgung von Patienten.

Deutlich wurde, dass viele Politiker verstanden haben, dass neben der besseren Vergütung weitere Maßnahmen dringend notwendig sind, um die Zukunftsfähigkeit und Attraktivität des Berufes zu erhalten bzw. wiederherzustellen: grundständige Akademisierung, Abschaffung des Schulgeldes, Ausbau im ländlichen Bereich, mehr Verantwortungsübertragung durch Blanko-Verordnung und Direktzugang u.a.m.

"Ich freue mich über diesen gelungenen Termin, in dem alle logopädisch-sprachtherapeutischen Verbände in der Diskussion geschlossen aufgetreten sind. Denn wir alle verfolgen ja letztlich die gleichen Ziele. Ich habe den Eindruck, dass dies auch für die anwesenden Vertreterinnen Vertreter aus Politik, Kassen und dem GKV-Spitzeverband deutlich geworden ist", so Frauke Kern.

(GS/Feit)


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