Sie befinden sich hier: Startseite > Service > Meldungen > Einzelansicht 

Meldungen

Meldungen 22.03.2017 10:01 Alter: 214 Tage

Aphasie-Versorgungsstudie FCET2EC*

Ergebnisse der weltweit einmaligen Studie sind veröffentlicht

Viele Berufsgruppen waren an der Studie beteiligt: Die "FCET2EC study group" unter der Leitung von PD Dr. Caterina Breitenstein (Uniklinik Münster) und Prof. Annette Baumgärtner (Hochschule Fresenius, Hamburg) - Foto: mpg.cbs (2012)

Ist intensive Aphasietherapie unter regulären klinischen Bedingungen wirksam? Diese Frage hat die "FCET2EC study group" unter der Leitung von PD Dr. Caterina Breitenstein (Uniklinik Münster) und Prof. Annette Baumgärtner (Hochschule Fresenius, Hamburg) in einer renommierten Studie (Link am Seitenende) positiv beantwortet:
Drei Wochen intensive Sprachtherapie (mind. 10 Stunden pro Woche) verbessern die verbale Kommunikation bei Menschen mit chronischer Aphasie signifikant und nachhaltig!

An der multizentrischen Studie nahmen 156 Menschen mit Aphasie nach Schlaganfall im Alter von 23 bis 70 Jahren teil. Die TeilnehmerInnen wurden in insgesamt 19 stationären und teilstationären Rehabilitationszentren oder ambulanten Einrichtungen in Deutschland nach einem vorgegebenen Studienprotokoll behandelt. Die Behandlung richtete sich nach den Eingangstestergebnissen des sprachsystematischen Aphasiescreenings (SAPS) und des kommunikativ-pragmatischen Screenings (KOPS). Die Therapie erfolgte anhand eines modular aufgebauten Therapiemanuals (ESKOPA-TM). Die Screeningverfahren und das Therapiemanual erscheinen voraussichtlich 2018 im Hogrefe Verlag (s. Download am Seitenende: "Publikationen in Vorbereitung").

Viele Logopädinnen und Logopäden sowie Sprachtherapeuten und Sprachtherapeutinnen waren aktiv an der Durchführung der Studie beteiligt. Ohne dieses hohe Engagement der Kolleginnen und Kollegen für die Versorgungsforschung hätte eine solche Studie nicht realisiert werden können. Vielen Dank dafür!
Finanziert wurde die Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Gesellschaft für Aphasieforschung und -behandlung (GAB).

Fazit und Ausblick
Die vorliegende Aphasie-Versorgungsstudie FCET2EC erbringt weltweit erstmals hochrangige Evidenz für die Effektivität einer Intensivtherapie bei chronischer Aphasie. In dieser Studie wurde die Diagnostik vor und nach dem 3-wöchigen Therapieintervall extern von der Studienzentrale durchgeführt. Unter regulären klinischen Bedingungen muss somit zusätzliche Zeit für die Diagnostik berücksichtigt werden, wenn die Intensivbehandlung bei chronischer Aphasie Evidenz-basierten Empfehlungen folgen soll.

Die Autorinnen und Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass zukünftige Studien untersuchen sollten, welche Mindest-Behandlungsintensität erforderlich ist, um überzufällige Behandlungseffekte zu erzielen. Sie weisen auch darauf hin, dass eine Intensivtherapie möglicherweise noch deutlichere Behandlungserfolge bewirkt, wenn die Therapiephase länger als 3 Wochen dauert. Ebenso muss der Frage, ob die Behandlungseffekte über wiederholte Interventionsphasen kumulativ sind, nachgegangen werden. Zudem ist offen, ob niederfrequente Weiterbehandlung nach einer Intensivtherapie dazu beiträgt, den Therapieerfolg der Intensivtherapie aufrechtzuerhalten.

Die Ergebnisse der bislang weltweit einzigen prospektiven, randomisierten, kontrollierten Versorgungsstudie zu chronischer Aphasie sind nun in der renommierten Zeitschrift The Lancet publiziert. Das hohe Ansehen der Zeitschrift ebenso wie die verlässliche Aussagekraft der Befunde lassen hoffen, dass die Kostenübernahme von Intensivtherapien künftig einfacher von den entsprechenden Trägern des Gesundheitswesens genehmigt wird. Denn obwohl die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie seit über zehn Jahren eine Intensiv-Sprachtherapie als Königsweg empfiehlt, übernehmen die deutschen Krankenkassen die Kosten hierfür nicht ohne Weiteres. Unter Federführung der GAB ist eine „round table“-Veranstaltung mit neurologischen und sprachtherapeutischen Fach-/Berufsgesellschaften und Vertretern des Gesundheitswesens zur klinischen Verwertung der FCET2EC Studienergebnisse geplant.

Hier erfahren Sie mehr
Beim diesjährigen dbl-Kongress (Hier geht's zum Kongressprogramm) wird Prof. Annette Baumgärtner über die Effekte der Therapiemethoden berichten, die in der Versorgungsstudie eingesetzt wurden: "Dynamik sprachlicher Verbesserungen bei intensiver Aphasietherapie: Therapiedaten aus der Versorgungsstudie FCET2EC".


*Von der kontrollierten experimentellen Studie zur Alltagskommunikation (From Controlled Experimental Trial to=2 Everyday Communication)

Von: GS/nide