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Logopädie bei neurodegenerativen Erkrankungen am Beispiel Morbus Parkinson

Unter einer neurodegenerativen Erkrankungen versteht man Erkrankungen, die fortschreitend verlaufen und die durch neuronale Abbauprozessen entstehen. Bei vielen dieser Erkrankungen sind die Ursachen bis heute noch nicht hinreichend erforscht. Zu den bekannteren neurodegenerativen Erkrankungen zählen u.a. die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Multiple Sklerose (MS), Chorea Huntington oder Morbus Parkinson. Gemeinsam ist diesen Krankheiten, dass das Sprechen und das Schlucken im Krankheitsverlauf betroffen sein können.

Beispiel Morbus Parkinson

Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten degenerativen Erkrankungen. Sie tritt bei den meisten Patienten erstmals zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. 10% der Erkrankten sind bei Diagnosestellung jünger als 40 Jahre. Kardinalsymptome wie

  • Bewegungsarmut (Akinese)
  • Muskelsteife (Rigor)
  • Zittern in Ruhe (Ruhetremor)
  • Haltungsinstabilität (Posturale Instabilität)

kennzeichnen diese Erkrankungen. Verursacht wird dies alles durch die langsame Degeneration von Gehirnzellen der Substantia nigra (Schwarze Substanz). Die Folge ist ein Mangel des Botenstoffes Dopamin.

Im Verlauf der Erkrankung treten neben anderen Bewegungsstörungen auch Probleme mit dem Sprechen, der Stimmgebung und des Schluckens auf. Präzise Bewegungen im artikulatorischen Bereich gekoppelt mit einer feinen Abstimmung des Atemmechanismus ermöglichen eine Stimmgebung und ein Sprechen. Wenn diese kleinen, abgestimmten Bewegungen nicht mehr möglich sind, kommt es z.B. zu einer leiser werdenden, monotonen Sprechweise. Für den Hörer und die Hörerin klingt das Sprechen undeutlich. Wenn die Sprechmelodie verloren geht, kann es auch zu Missverständnissen in Gesprächen kommen. Häufig hören Betroffene Aufforderungen, lauter oder deutlicher zu sprechen oder sie werden mit Vorwürfen konfrontiert, die seien desinteressiert oder „sprechfaul“. Durch diese Missverständnisse kann es zu einem kommunikativen Rückzug sowohl auf der Seite des Betroffenen als auch auf der Seite der Angehörigen kommen.

Logopädische Therapie bei Morbus Parkinson

Ausgehend von einer ausführlichen Diagnostik, die den Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstatus erhebt, werden mit dem Patienten realistische Therapieziele mit erarbeitet. Die Zielsetzung richtet sich sowohl nach deren konkretem Alltag als auch dem individuellen Krankheitsverlauf. Hiernach richtet sich auch die Auswahl der Therapiemethoden. Eine Methode, die helfen kann, die Stimme der Parkinson-Patienten zu verbessern, ist beispielsweise das in den USA entwickelte Lee Silverman Voice Treatment (LSVT). Ziel ist es, dass der Patient systematisch die Lautstärke hin zu einer lauten, kraftvollen Stimme steigern kann. Tägliche Übungsaufgaben und hierarchisch aufgebaute Anwendungsschritte für den Alltag können dabei unterstützen, die wiedererstarkte Stimme im Gespräch einzusetzen. Unter dem Motto „Sei laut“ lernt der Patient mit Hilfe dieser Methode, sich im Alltag selbst den Impuls zu geben, laut zu sprechen.

Liegt eine Schluckstörung vor, so gibt es auch hier verschiedene Möglichkeiten, das Essen und Trinken sicher zu gestalten. Dabei helfen geeignete Übungen, Schlucktechniken, Hilfsmittel und Kosteinstellungen.

Zu jeder logopädischen Therapie zählt auch die Beratung des Patienten und der Angehörigen. Das Wissen über die eigene Erkrankung, die Mechanismen der Übungen, die Notwendigkeit von eventuell notwendigen Koständerungen kann dabei unterstützen, mit der Erkrankung besser zu leben.