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Kindliche Sprechapraxie

Die Sprechapraxie ist eine Störung der Planung von Sprechbewegungen. Sie zeigt sich im Bereich von Artikulation, Sprechmelodie und -rhythmus (Prosodie) und Sprechverhalten.

Bei der Artikulation sind lautliche Abweichungen bzw. Entstellungen von Lauten (z.B. einer übermäßig behauchten Aussprache des /t/) feststellbar, die zu einer unverständ-licheren Aussprache führen. Teilweise kann es auch zu Ersetzungen oder Vertauschungen von Lauten sowie einer Mischung von Fehlerarten kommen. Die Artikulationsstörungen betreffen oft den Anfang von Wörtern bzw. Silben und sind vielfach mit Suchbewegungen der Artikulationsorgane (Lippen, Zunge, Kiefer…) verbunden. Bei Wiederholungen können die Fehler variieren und Selbstkorrekturen führen nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung des Sprechens. Die Sprechgeschwindigkeit ist häufig vermindert, Vokale werden gedehnt gesprochen und bei vielen Betroffenen kommt es zu einer silbischen Sprechweise. Es können auch Fehler bei der Wortbetonung auftreten, indem Silben falsch oder übermäßig deutlich betont werden.

Welche Ursachen hat eine Sprechapraxie?

Aufgrund welcher Ursachen es zur Entstehung einer kindlichen Sprechapraxie kommt, ist umstritten. Diskutiert werden genetische, metabolische (Stoffwechsel-Erḱrankungen) oder auch neurologische (z. B.
Hirnschaden infolge eines Herzstillstands) Störungen im peripheren und zentralen Nervensystem als mögliche Ursachen. (vgl. Lauer & Birner-Janusch 2010)

Wie häufig kommt eine Sprechapraxie vor?

Es wird angenommen, dass bei Vorliegen einer neurologisch bedingten Sprechstörung in ca. 9% der Fälle die Sprechapraxie die Hauptdiagnose darstellt. Sie tritt häufig in Kombination mit einer Aphasie (Sprachstörung) und/oder Dysarthrie (Störung der motorischen Ausführung des Sprechens) auf und ist von diesen Störungen abzugrenzen.

Wie wird eine Sprechapraxie festgestellt?

Bei einer leichten bis mittelschweren Sprechapraxie bietet sich die Durchführung von Wortlisten an. Dabei spricht der Patient ein- bis viersilbige Wörter und Phantasiewörter nach, die einfache bis komplexe Lautfolgen (Silbenstrukturen) enthalten. Bei schweren Sprechapraxien wird geprüft, ob das Sprechen von Lauten, Silben und/oder Wörtern, zunächst ggf. auch über automatisierte Leistungen (Zählen, Wochentage aufzählen) stimulierbar ist.

Wie wird eine Sprechapraxie behandelt?

Für die Behandlung der Sprechapraxie stehen je nach Schweregrad und Störungs-schwerpunkt der Sprechapraxie verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung. Bei leichten oder mittelschweren Sprechapraxien sollte die Artikulationsbehandlung direkt auf Silben- und Wortebene ansetzen, da Silben als Bausteine des Sprechens gelten und der Abruf von Silben trainiert werden soll. Liegt eine schwere Sprechapraxie vor, ist es ggf. notwendig, am Einzellaut orientierte Therapieansätze einzubeziehen. Allerdings sollten die wieder verfügbaren Laute möglichst schnell zu Silben und Wörtern zusammengeführt werden. Die Behandlung der Sprechapraxie richtet sich direkt  auf die Aussprache. Des Weiteren werden Betonungsübungen oder Übungen zur Erhöhung der Sprechgeschwin-digkeit durchgeführt.

Was können Eltern bei Verdacht auf eine Artikulationsstörung tun?

Wenn sich Eltern unsicher sind, ob die Artikulation ihrer Kinder altersgemäß entwickelt ist, sollten sie mit dem behandelnden Kinderarzt darüber sprechen. Auf seine Entscheidung hin erfolgt eine Verordnung zur logopädischen Therapie, die eine ausführliche Diagnostik einschließt, und neben der genauen Untersuchung der Aussprache auch eine Beratung der Eltern beinhaltet. Aber auch in pädiatrischen Ambulanzen von Kliniken oder Frühfördereinrichtungem oder Sozialpädiatrischen Zentren sind Ansprechpartner wie z. B. Logopäden für die Beratung und Behandlung der Sprechapraxie zu finden.

Weiterführende Informationen

Definition "Kindliche Sprechapraxie"

Unter einer Sprechapraxie wird die "erschwerte Initiierung und Koordinierung von Sprechbewegungen" verstanden, wobei gleichzeitig "artikulatorisches Such- und Korrekturverhalten, Verwechslungen von artikulatorischen Zielen und [eine] langsame, oft silbische Sprechweise mit gestörter Prosodie" zu beobachten sind. (vgl. Huber & Poeck & Springer 2006:23)

Behandlungsleitlinie

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat eine Behandlungsleitlinie herausgegeben. Sie ist auf der Seite der AWMF auffindbar.

Verordnung nach Heilmittelrichtlinie

Diagnosegruppe SP6
Die Verordnung von Sprechtherapie ist gesetzlich geregelt. Hinweise dazu finden Sie auf der Seite "Logopädie wird verordnet".

Literaturhinweise

Huber, W., Poeck, K., Springer, L. (2006). Klinik und Rehabilitation der Aphasie. Eine Einführung für Therapeuten, Angehörige und Betroffene. Forum Logopädie, Springer, L., Schrey-Dern, D. (Hrsg). Stuttgart: Thieme

Lauer, N., Birner-Janusch. B. (2010). Sprechapraxie im Kindes- und Erwachsenenalter. Forum Logopädie. Springer. L., Schrey-Dern, D. (Hrsg). Stuttgart: Thieme. 2. vollständ. überarb. Auflage

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Fachartikel in chronologischer Reihenfolge (absteigend sortiert):

  • Heisterüber, Miriam; Gröne, Berthold; Domahs, Frank; Binkofski, Ferdinand
    Hochfrequentes Training der auditiven Analyse bei Aphasie (2012/6)
  • Grönke, Claudia
    APT - Partizipationstraining in der Aphasietherapie mit dem alert-Prinzip (2012/6)
  • Steiner, Jürgen
    Demenz: Logopädie, Beratung und Selbstorganisation (2012/6)
  • Grötzbach, Holger
    Wiederherstellung der Gesundheit oder Teilhabe? (2012/5)
  • Corsten, Sabine; Hardering, Friedericke; Bröckel, Martina
    Der biografisch-narrative Ansatz in der Intervention bei Aphasie (2011/6)
  • Wieser, Melanie; Grötzbach, Holger; Beushausen, Ulla
    Die teilhabe-orientierte Gruppentherapie (TOGT) (2011/6)
  • Friede, Simon; Kubandt, Melanie
    Diagnostik der Aphasie bei Kindern und Jugendlichen (2011/6)
  • Steiner, Jürgen; Venetz, Martin
    Sprachabbau bei Demenz - ein Thema für die Sprachtherapie? (2011/6)
  • Pantke, Karl-Heinz
    Wiedergewinnung der Kommunikation bei einem Locked-in-Syndrom (2011/4)
  • Dallmeier, Pia & Thies, Christina & Grötzbach, Holger & Beushausen, Ulla
    Zielsetzung in der Aphasietherapie (2011/2)
  • Nobis-Bosch, Ruth; Springer, Luise; Radermacher, Irmgard & Huber, Walter
    Supervidiertes Heimtraining bei Aphasie: Sprachlernen im Dialog (2010/5)
  • Storch, Günther & Weng, Ingrid
    Der situative Ansatz in der Aphasietherapie (2010/4)
  • Aichert, Ingrid & Ziegler, Wolfram
    Therapie bei chronischer Sprechapraxie (2010/3)
  • Storch, Günther & Weng, Ingrid
    Der situative Ansatz in der Aphasietherapie (2010/3)
  • Wittler, Marion
    Rückbildungsprozesse i der Akut- und Postakutphase von Aphasien (2009/6)
  • Krüger, Stefan; Breunig, Veronika & Werner, Rebecca
    Die CIAT im klinischen Alltag (2009/6)
  • Haberstroh, Julia; Neumeyer, Katharina & Pantel, Johannes
    Kommunikations-TanDem (2009/5)
  • Gröne, Berthold
    ICF und Dysarthrie (2009/4)
  • Schütz, Sandra
    Möglichkeiten der Angehörigenarbeit bei Aphasie (2009/3)
  • Spitzer, Lena; Beushausen, Ulla & Grötzbach, Holger
    Exekutivfunktionen in der Aphasietherapie (2009/3)
  • Grötzbach, Holger; Bühler, Sabine
    Einen Halt geben: Gruppentherapie bei Patienten mit einer Demenz (2008/6)
  • Steiner, Jürgen
    Sprachabbau bei beginnender Demenz: Bausteine für eine heilpädagogisch-logopädische Diagnostik (2008/6)
  • Bisch, Sandra; Hartmann, Christine; Brauer, Thomas
    Fallbeispiel: Therapieverlauf bei einem Patienten mit Primär Progressiver Aphasie (2008/6)
  • Gutzmann, Hans
    Sprache und Demenzerkrankungen (2008/6)
  • Bilda, Kerstin
    Videogestütztes Konversationstraining in der Aphasietherapie - eine Therapiestudie (2008/5)
  • Vauth, Friederike; Hampel, Pamela; Scibor, Mateusz, Handschu, Rene; Richter, Jörg; Keidel, Matthias
    Synchrone Teletherapie bei Aphasie: Erste Ergebnisse bei Schwer(st)betroffenen (2008/4)
  • Aichert, Ingrid; Ziegler, Wolfram
    Segmentales und Silbisches Lernen bei Sprechapraxie: eine Studie zur Erhebung von Lern- und Transfereffekten (2008/3)
  • Krüger, Stefan
    Der Einsatz visueller Cues in der Behandlung des schweren chronischen Agrammatismus (2008/2)
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    Supervidierte Teletherapie bei Aphasie: Ergebnisse einer BMBF-Studie (2008/1)
  • Nebel, Adelheid; Volkmann, Jens; Deuschl, Günther
    Dysarthrie und tiefe Hirnstimulation bei Parkinson: perzeptive Profile, akustische Analysen, therapeutische Konsequenzen (2007/6)
  • Masoud, Vibeke
    Gruppentherapie bei Aphasie: aktueller Überblick und Praxisbeispiel (2007/6)
  • Möhrle, Christina; Spencer, Pete Guy
    Kinder und Jugendliche mit Aphasie (2007/6)
  • Hooge, Wibke; Pfleiderer, Heidemarie; Springer, Luise
    Mapping-Therapie und PC-gestütztes Training von Objekt-Verb-Phrasen - eine komparative Studie (2007/6)
  • Wagner, Susanne
    Zum Erhalt der Kommunikationsfähigkeit bei progressiven neurodegenerativen Erkrankungen am Beispiel der PSP (2007/4)
  • Coopmans, Jeanine
    Alltagsrelevante Aphasietherapie (2007/1)
  • Heidler, Maria-Dorothea
    "Kognitive Dysphasien" - Klassifikation, Diagnostik und Therapie nichtaphasischer zentraler Sprachstörungen (2007/1)
  • Schomacher, Marion; Breitenstein, Caterina u.a.
    Erste Ergebnisse zur Effektivität eines intensiven und hochfrequent repetitiven Benenn- und Konversationstrainings bei Aphasie (2006/4)
  • Funk, Julia; Montanus, Susanne, Kröger, Bernd, J.
    Therapie von neurogenen und kindlichen Sprechstörungen mit dem PC-Programm "Speech Trainer" (2006/2)
  • Nobis-Bosch, Ruth; Radermacher, Irmgard; Springer, Luise
    Das elektronische Hilfsmittel B.A.Bar in der Aphasietherapie: Eine Einzelfallstudie zum supervidierten Heimtraining (2006/2)
  • Päßler, Daniela
    Einsatz der elektronischen Kommunikationshilfe "TouchSpeak" bei Aphasie (2006/2)
  • Springer, Luise; Hupp, Thomas; Spaniol, Marc; Klamma, Ralf
    SOCRATES-Chat für Aphasiker: Die Entwicklung einer virtuellen Gemeinschaft für Sprech- und Sprachgestörte (2006/2)
  • Grötzbach, Holger
    Die Bedeutung der ICF für die Aphasietherapie in der Rehabilitation (2006/1)
  • Brand, Matthias; Markowitsch, Hans J.
    Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen (2005/5)
  • Schultze-Jena, Andrea; Becker, Regine
    Anhaltspunkte für eine Demenz in der Aphasiediagnostik – Ergebnisse einer Pilotstudie (2005/5)
  • Grötzbach, Holger
    Evidenzbasierte Aphasietherapie (2005/4)
  • Aichert, Ingrid; Kiermeier, Steffanie
    Neue Wege in der Aphasiediagnostik: LeMo - ein modellorientiertes Diagnostikverfahren (2005/4)
  • Brand, Matthias; Markowitsch, Hans J.
    Neuropsychologie von Gedächtnisstörungen (2005/4)
  • Rother, Angelika
    Logopädische Therapie des Landau-Kleffner-Syndroms (2005/4)
  • Heberlein, Ilse; Vieregge, Peter
    Einfluss von Sprechstörungen auf Lebensqualität und Bewältigungsstrategien von Parkinson-Patienten (2005/3)
  • Jaeger, Marion
    Untersuchung nonverbaler Funktionen in der Dysarthriediagnostik (2004/5)
  • Grötzbach, Holger
    Zielsetzung in der Aphasietherapie (2004/5)
  • Kroker, Ingo; Runge, Volker
    Die Aphasie-Selbsthilfebewegung in Deutschland: Ein Partner der Logopädie (2004/3)
  • Aichert, Ingrid: Ziegler, Wolfram
    Sprechapraxie und die Silbe: Theoretische Überlegungen, empirische Beobachtungen und therapeutische Konsequenzen (2004/2)
  • Nicola, Franziska; Ziegler, Wolfram; Vogel, Matthias
    Die Bogenhausener Dysarthrieskalen (BODYS): Ein Instrument für die klassische Dysarthriediagnostik (2004/2)
  • Seewald, Barbara; Rupp, Eckart; Schupp, Wilfried
    Computergestützte Aphasiebehandlung: Das Konzept der EvoCare-Therapie (2004/2)
  • Kalbe, Elke; Reinhold, Nadine; Brand, Matthias; Kessler, Josef
    Die Aphasie-Check-Liste (ACL): Ein neues Instrument zur Aphasiediagnostik (2003/3)
  • Ziegler, Wolfram
    Zur Autonomie sprechmotorischer Kontrollfunktionen (2003/2)
  • Pusswald, Gisela; Hütter, Bernd-Otto; Mildner, Christa
    Lebensqualitätserhebung bei Aphasikern mit dem Aachener Lebensqualitätsinventar (ALQI) (2002/6)
  • Bilda, Kerstin
    Verbale und visuelle Konzeptstörungen bei Aphasie: eine modellgeleitete Therapiestudie (2002/1)
  • Bogalski, Angela; Mingers, Anke
    Verbales Arbeitsgedächtnis, Sprachverarbeitungsprozess und Aphasie (2001/4)
  • Gadatsch, Sandra; Ritz, Diana: Schlee, Wiebke
    Computereinsatz in der Aphasietherapie: Eine binationale Studie (2001/4)
  • Cholewa, Jürgen
    Qualitätssicherung durch computergestützte Evaluierung in der Aphasietherapie (2001/1)
  • Claros-Salinas, Dolores
    Therapiekonzepte zur beruflichen Wiedereingliederung aphasischer Patienten (2001/1)
  • Danz, Ursula; Lauer, Norina
    Modellorientierte Behandlung der Tiefendyslexie - ein Fallbeispiel (2001/1)
  • Müller, H.U.
    "... musste Gedanken zusammenschnüren, brauchte Zeit, Worte die Sätze ergeben, zu formen" (2001/1)
  • Springer, Luise
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