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Störung der Grammatik

Störungen der Grammatik können Wörter und Sätze betreffen. Beispielsweise wenn Endungen an Wörtern fehlen oder nicht korrekt sind.

Beispiele

  • Die Kinder lassen zum Beispiel beim Partizip die Vorsilbe "ge-" weg ("Ich habe spielt.") oder beugen Verben nicht richtig ("Du gehen ...").
  • Wenn Kinder Probleme haben, korrekte Sätze zu bilden, kann sich dies in Auslassungen oder Umstellungen zeigen ("Mama lange Haare hat").


Solche Störungen werden in der Logopädie auch morphologisch-syntaktische Störungen genannt.

Welche Ursachen haben Störungen der Grammatik?

Störungen der Grammatik gehen auf Störungen bei der Verarbeitung zurück und sind mehrheitlich Teil einer umschriebenen Sprachentwicklungsstörung.

Wie häufig treten Störungen der Grammatik auf?

Störungen der Grammatik treten im Zusammenhang mit Sprachentwicklungsstörungen und sind bisher nicht differenziert erfasst worden.

Wie werden Störungen der Grammatik festgestellt?

Störungen der Grammatik werden auf rezeptiver (Sprachverständnis) als auch expressiver (Sprachproduktion) Ebene überprüft. Dazu wird sowohl die gesprochene Sprache des Kindes (Spontansprache) untersucht als auch mit Hilfe von Screenings und Tests überprüft, ob das Kind altersangemessen entwickelt ist.

Wie werden Störungen der Grammatik behandelt?

Die Inhalte der Therapie richten sich nach den diagnostizierten Störungschwerpunkten, dies können sein: die Wortarten (z.B. Präpositionen oder Verben), die Flektion des Deutschen (Konjugation: ich springe, du springst ... ; Deklination: "das Haus/die Häuser"), das Kongruenzprinzip (Beispiel: Übereinstimmung zwischen Subjekt und Prädikat: z.B. "Du springst"), die Verbstellung (Beispiel Verbzweitstellung: Ich springe hoch.) oder der Satzbau (Beispiel Satzgefüge: Er kommt, wenn er fertig ist.)  ).

Bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern sind interferenzbedingte Probleme (Regeln der Muttersprache werden auf die Zweitsprache z. B. Deutsch übertragen) zu beachten: Genus (z. B. bei Artikeln: der, die, das), Kasus (z.B. Dativ "dem" oder Akkusativ "den") oder auch die Wortordnung (Verbzweistellung). In der Therapie steht die Vermittlung der Regeln im Vordergrund.

Was können Eltern bei Verdacht auf eine Störung der Grammatik tun?

Eltern, die sich Sorgen wegen der sprachlichen Entwicklung ihres Kindes machen, sollten sich auf jeden Fall beraten lassen, entweder von ihrem Kinderarzt oder von einer Beratungsstelle, wie z.B. Sozialpädiatrische Zentren, Frühförderstellen, Sprach(heil)ambulanzen bzw. logopädische Dienste in Gesundheitsämtern. Eine erste Hilfe bietet der Flyer "Sprich mit mir" oder auch die Informationen auf der Webseite "ww.sprich-mit-mir.org".

Weiterführende Informationen

Definition "Morpho-syntaktische Störungen"

"Eine morphosyntaktische Entwicklungsstörung liegt vor, wenn im Entwicklungsverlauf Abweichungen bei  er Verarbeitung morphologischer und syntaktischer Strukturen auftreten, die in erster Linie als erhebliche zeitliche Retardierungen im Vergleich zum unauffälligen Entwicklungsverlauf zu beobachten sind. Gestört können dabei sowohl die rezeptiven als auch die produktiven Fähigkeiten im Bereich der Morphosyntax sein. Defizite bei der Bildung von grammatischer Kongruenz sind häufig." (Schrey-Dern: 2007: 232)

Behandlungsleitlinie

Die interdisziplinäre Leitlinie der AWMF „Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen (SES) unter Berücksichtigung umschriebener Sprachentwicklungsstörungen (USES) wurde am 16.12.2011 verabschiedet und gilt für die Dauer von 5 Jahren. Eine zusammenfassende Darstellung ist Schrey-Dern „Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen. Interdisziplinäre S2k-Leitlinie der AWMF“, Forum Logopädie Heft 1,  2012 zu entnehmen. Eine Therapieleitlinie ist in Arbeit.

Die Kommission Qualitätsmanagement (BKQM) hat dazu eine zusammenfassende Darstellung erarbeitet.

Verordnung nach Heilmittelkatalog

Diagnosegruppe SP1
Die Verordnung von Sprachtherapie bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen ist gesetzlich geregelt, Hinweise dazu finden Sieauf der Seite  "Logopädie wird verordnet".

Literaturhinweise

de Langen-Müller, U., Kauschke, C., Kiese-Himmel, C., Neumann, K., Noterdame, M. (Hrsg.) (2012). Diagnostik von (umschriebenen) Sprachentwicklungsstörungen. Sprachentwicklung – Verlauf, Störung, Intervention 7, Kiese-Himmel, C. (Hrsg.), Frankfurt/Main: Peter Lang

Kauschke, C. (2012). Kindlicher Spracherwerb im Deutschen. Verläufe, Forschungsmethoden, Erklärungsansätze. Berlin: de Gruyter

Schrey-Dern, D. (2009). Morpho-syntaktische Entwicklungsstörungen. In: Schöler, H. Welling, A. (Hrsg.) Sonderpädagogik der Sprache. Band 1: Handbuch der Sonderpädagogik. Göttingen: Hogrefe. S. 232 - 238.

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Fachartikel in chronologischer Reihenfolge (absteigend sortiert):

  • Wolfgang G. Braun, Jürgen Steiner
    Kooperativ früh Stärken nutzen und Risiken begegnen (2012/5)
  • Schrey-Dern, Dietlinde
    Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen. Interdisziplinäre S2k-Leitlinie der AWMF (2012/1)
  • Otten, Meike; Walther, Wenke
    Therapie von prosodischen Leistungen bei kindlicher Sprechapraxie. Eine Fallanalyse (2012/1)
  • Dähn, Sandra; Lehnhoff, Anna; Neumann, Charleen; Rohdenburg, Wiebke; Ringmann, Svenja; Siegmüller, Julia
    Frühe inputorientierte Lexikontherapie bei Kindern im Late-Talker-Stadium (2011/5)
  • Föllner, Sinikka; Schrey-Dern, Dietlinde; Willmes-von Hinckeldey, Klaus
    Evaluation der Erzieherinnenfortbildung "Sprachreich" (2011/4)
  • Wintruff, Yara; Orlando, Achiropita & Gumpert, Maike
    Diagnostische Praxis bei mehrsprachigen Kindern (2011/1)
  • Kreutzmann, Sebnem & Hecking, Mascha
    Frühe Diagnostik bei mehrsprachigen Late Talkern (2011/1)
  • Buschmann, Anke & Jooss, Bettina
    Frühdiagnostik bei Sprachverständnisstörungen (2011/1)
  • Gumpert, Maike; Korntheuer, Petra & Vogt, Susanne
    Der Anamneseleitfaden zum Sprach- und Sprecherwerb (2010/5)
  • Nierhaus, Imke
    Alles im Blick?! (2010/5)
  • Albers, Timm
    Sprachdiagnostik im Kindergarten (2010/5)
  • Schrey-Dern, Dieltinde & Trost-Brinkhues, Gabriele
    Früherkennung von SES zum Zeitpunkt der U7 (2010/3)
  • Kreutzmann, Sebnem
    Biographieorientierte Sprachtherapie (2010/3)
  • Hecking, Mascha & Schlesiger, Claudia
    Late Bloomer oder Sprachentwicklungsstörung? (2010/1)
  • Siegmüller, Julia; Schröders, Catherine; Sandhop, Ulrike; Otto, Monika & Herzog-Meinecke, Carmen
    Wie effektiv ist die Inputspezifizierung? (2010/1)
  • Hautvast, Sarah; Arthold, Jana & Günther, Thomas
    Transfer in den Alltag braucht Zeit (2010/1)
  • Waibel, Christiane
    Der Erwerb von wortinitialen Konsonantenclustern im Schweizerdeutschen (2009/5)
  • Kölliker Funk, Meja
    ICF bei spezifischen Sprachentwicklungsstörungen (2009/4)
  • Häusermann, Judith
    Der Deutscherwerb von Vorschulkindern mit Migrationshintergrund (2009/3)
  • Mayer, Susanne
    Die Miteinbeziehung von Eltern in die logopädische Therapie (2009/3)
  • Möller, Delia
    Schritte in den Dialog - Eltern evaluieren ein Programm für Familien mit sprachentwicklungsverzögerten Kindern (2009/1)
  • Otten, Meike; Walther, Wenke
    Prosodie - Bedeutung, Funktionen, Diagnostik (2009/1)
  • Kölliker Funk, Meja
    Schnittstellentherapie bei Spracherwerbsstörungen (2009/1)
  • Skerra, Antje
    Fast Mapping-Leistungen bei Kindern mit einer semantisch-lexikalischen Störung im Rahmen einer SES (2009/1)
  • Herzog-Meinecke; Siegmüller, Julia
    Sprachsystematische Intervention bei Kindern mit komplexen Störungsbildern: Erste Ergebnisse des LST-LTS-Projekts (2008/5)
  • Siegmüller, Julia
    Therapie von kindlichen Wortfindungsstörungen nach dem Patholinguistischen Therapieansatz (2008/5)
  • Bockmann, Ann-Katrin
    ELAN - mit Schwung ins Grundschulalter: Die Vorhersagekraft des frühen Wortschatzes für spätere Sprachleistungen (2008/4)
  • Weigl, Irina
    Theoretisches und methodisches Vorgehen im HOT: Interaktive Interventionsstrategien (2008/3)
  • Rupp, Stephanie; Rausch, Monika; Willmes, Klaus; Huber, Walter
    Modellgeleitete Diagnostik bei lexikalischen Spracherwerbsstörungen (2007/5)
  • Schmitz, Petra; Diem, Alexandra
    Sprachverstehenskontrolle - Ein wichtiger Ansatzpunkt in der Therapie von Sprachverstehensstörungen (2007/5)
  • Schmitz, Petra; Fox, Annette V.
    Sprachverstehenstests im Deutschen unter besonderer Berücksichtigung des TROG-D (2007/4)
  • Fricke, Silke; Stackhouse, Joy; Wells, Bill
    Phonologische Bewusstheitsfähigkeiten deutschsprachiger Vorschulkinder - eine Pilotstudie (2007/3)
  • Szagun, Gisela
    Langsam gleich gestört? Variabilität und Normalität im frühen Spracherwerb (2007/3)
  • Schmitz, Petra; Beushausen, Ulla
    Sprache verstehen - Ein Blick auf Strukturen und Prozesse (2007/3)
  • Kiese-Himmel, Christiane
    Die Bedeutung der taktil-kinästhetischen Sinnesmodalität für die Sprachentwicklung (2007/3)
  • Dohmen, Andrea; Vogt, Susanne
    Late Talker - Frühe Intervention bei Kindern mit (Verdacht auf) Sprachentwicklungsstörung (2006/5)
  • Penner, Zvi; Krügel, Christian; Nonn, Kerstin
    Aufholen oder Zurückbleiben: Neue Perspektiven bei der Frühintervention von Spracherwerbsstörungen (2005/6)
  • Höhle, Barbara
    Der Einstieg in die Grammatik: Spracherwerb während des ersten Lebensjahres (2005/6)
  • Siegmüller, Julia; Bittner, Dagmar
    Langzeitanalyse der frühen lexikalischen Entwicklung eines späteren SES-Kindes - wann gab es welche Warnzeichen? (2005/6)
  • Penner, Zvi
    Forschung für die Praxis: Neue Wege der Intervention bei Kindern mit Spracherwerbsstörungen (2004/6)
  • Dohmen, Andrea; Vogt, Susanne
    Kommunikationsstrategien als Ansatzpunkt zur Förderung semantisch-lexikalischer Fertigkeiten (2004/6)
  • Böhr, Mechthild
    Das Zollinger-Therapiekonzept als Annährung an sprachauffällige Kleinkinder (2004/1)
  • Geissler, Kathrin
    Kritische Anmerkungen zum Würzburger Trainingsprogramm (2003/2)
  • Behrens, Heike
    Das Verb im Spracherwerb (2002/3)
  • Kauschke, Christina
    Entwicklung und Störungen des Verblexikons (2002/2)
  • Siegmüller, Julia
    Patholinguistische Therapiekonzeption bei Störungen des Verblexikons (2002/2)
  • Kolfenbach, Katrin
    Qualitative Diagnostik des Lexikonerwerbs: Hilfestellung für die Therapieplanung (2002/2)
  • Franke, Ulrike
    Erkennen durch Beobachten: Interaktionsdiagnostik in der Logopädie (2002/1)
  • Gierschke, Martina
    Wie Liv sich die Sprache eroberte (2001/2)
  • Hansen, Detlef
    COPROF - Diagnoseinstrument und linguistisches Lernprogramm (2000/2)