Psychogene Stimmstörung

Psychogene Stimmstörungen (Dysphonien) sind bedingt durch psychosomatische oder auch psychosoziale Einflüsse, d.h. die Stimmprobleme sind hier nicht Ausdruck einer hohen Stimmbelastung sondern gehen auf Stressfaktoren zurück. In der Phoniatrie (Stimmheilkunde) wird zwischen einer psychogenen Aphonie und einer psychogenen Dysphonie unterschieden.

Was ist eine psychogene Aphonie?

Bei einer psychogenen Aphonie ist die Stimme tonlos, der Betroffene kann nur noch  flüstern, kann sich aber laut räuspern und stimmhaft lachen. Die Stimme wechselt beim Sprechen zwischen tonlos und stimmhaft. Wenn man die Betroffenen auf beiden Ohren vertäubt, kann es sein, dass sie einen normalen Stimmklang haben. Eine psychotherapeutische Therapie ist angezeigt. Optimal sind TherapeutInnen mit einer psychotherapeutisch-logopädischen Qualifikation.

Was ist eine psychogene Dysphonie?

Bei einer psychogenen Dysphonie tritt spontan Heiserkeit auf, die mal mehr oder weniger ausgeprägt ist, ohne dass eine erhöhte Sprechbelastung wie bei der funktionellen Dysphonie als verursachend angenommen werden könnte. Zusätzlich fällt ein neurovegetatives Störungsbild (z. B. feuchte Hände oder Hautschwellungen bei Berührungen) auf. Die Stimmstörung selbst ist eher als harmlos zu bezeichnen. Eine psychotherapeutische Behandlung und je nach Ausprägung der Stimmstörung in Kombination mit einer phoniatrisch-logopädischen Therapie ist angezeigt. Optimal sind TherapeutInnen mit einer psychotherapeutisch-logopädischen Qualifikation.

Wo können Betroffene und Angehörige Rat und Hilfe finden?

Bei Verdacht auf eine Stimmstörung sollten HNO-Ärzte oder Phoniater in klinischen Einrichtungen oder aber entsprechenden Praxen aufgesucht werden. LogopädInnen können entsprechend Auskunft erteilen.  Beim dbl sind spezialisierte Stimmtherapeuten mit Hilfe der Logopädensuche zu finden.

Weiterführende Informationen

Behandlungsleitlinie

Die Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DFGPP) hat eine AWMF Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Stimmstörungen unterschiedlichster Genese erarbeitet, die bis zum 31.06.2016 Geltung hat. Die Kommission Qualitätsmanagement (BKQM) hat eine zusammenfassende Darstellung zur Leitlinie erarbeitet.


Verordnung nach Heilmittelkatalog

Psychogene Aphonie: Diagnosegruppe ST 3
Psychogene Dysphonie: Diagnosegruppe ST4
Die Verordnung von Stimmtherapie ist gesetzlich geregelt. Weiterführende Hinweise dazu finden Sie auf der Seite "Logopädie wird verordnet".

Literaturhinweise

Böhme, Gerhard (2003). Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Band 1: Klinik, 4. Aufl., München: Urban und Fischer

Hammer, S. (2011). Stimmtherapie mit Erwachsenen.5. Auflage. Heidelberg: Springer

Fortbildungsangebote

Links

Arbeitskreis "Stimme"

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Diskussionsforum "Stimmstörungen"


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"Forum Logopädie" Fachartikel

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Fachartikel in chronologischer Reihenfolge (absteigend sortiert):

  • Beushausen, Ulla
    Methodenorientierung in der Stimmtherapie (2012/5)
  • Nollmeyer, Olaf
    Der Klang der Stimme. Die Erfahurng des Klanges eröffnet neue Wege in der Stimmpraxis (2011/4)
  • Hering, Gerd
    Die Wirkung von Vorstellungshilfen auf die Sprechstimme (2010/4)
  • Riedmüller, Stephanie; Decoster, Wivine & Brockmann-Bauser, Meike
    Relevanz des Stimmfeldes für Diagnostik und Therapieevaluation (2010/4)
  • Knuth, Mathias
    Dysodie - die Singstimme in der Stimmtherapie (2010/4)
  • Kramer, Jens
    Computergestützte Stimmanalyse (2009/6)
  • Minnema, Wilfried; Stoll, Hans-Christian
    Objektive computergestützte Stimmanalyse mit "Praat" (2008/4)
  • Friedrich, Gerhard
    Basisprotokoll für die Stimmdiagnostik - Richtlinien der European Laryngological Society (ELS) (2006/4)
  • Nawka, Tadeus; Franke, Ingolf; Galkin, Elena
    Objektive Messverfahren in der Stimmdiagnostik (2006/4)
  • Brockmann, Meike
    Vor- und Nachteile der stroboskopischen Kehlkopfuntersuchung im Hinblick auf die Planung der logopädischen Therapie (2006/1)
  • Ribeiro, Angelina
    Funktionelle Stimmstörungen im Kindesalter - eine psychologische Vergleichsstudie (2006/1)
  • Schürmann, Uwe
    Facetten des Ausdrucks: AAP als pragmatischer Ansatz für Therapie und Prävention (2005/5)
  • Bartl-van Eys, Karin
    Stimmprävention "vor Ort": LogopädieschülerInnen gehen in Schulen und Kindergärten (2005/5)
  • Rathey-Pötzke, Beatrice
    Lee Silverman Voice Treatment (LSVT) bei Patienten mit Parkinson und Myotonica dystrophica (2005/3)
  • Menzel, Maren; Beushausen, Ulla
    Prävention von Stimmstörungen bei Berufssprechern: Entwicklung eines situationsspezifischen Gruppentrainings (2004/4)
  • Schädel, Andrea; Krischke, Silvia; Rosanowski, Frank
    Lebensqualität bei Patienten mit Stimmstörungen (2004/4)
  • Feuerstein, Ua
    Die "Stimmig-sein-Methode": Funktional-psychointegrale Selbstregulation von Gesang und Sprechstimme (2004/4)
  • Pahn, Johannes
    Stimm- und Sprachstörungen durch Reflux von Magensäure (2004/4)
  • Widhalm, Barbara
    Logopädische Stimmtherapie in der Gruppe: Aspekte einer Studie (2003/5)
  • Kröger, Frauke
    Der Voice Handicap Index - ein Assessmentinstrument für die Stimmtherapie (2003/1)
  • Saatweber, Margarete
    Das Konzept Schlaffhorst-Andersen (2003/1)
  • Oetken-Ishorst, Elke
    Prävention von Stimmstörungen bei Kindern (2002/4)
  • Riese, Christine
    Göttinger-Stimmkonzept Dreiteilige Fortbildung "Funktionale Stimmtherapie und funktionale postoperative Stimmrehabilitation" (2002/3)
  • Münch, Gabriele
    Manuelle Stimm-Therapie (MST): Eine Therapie, die "berührt" (2001/5)
  • Spital, Helga
    Sprechen-Singen-Gesang: Logopädische Therapie am Übergang (2000/5)
  • Nienkerke-Springer, Anke
    Beratungs- und Therapiekonzept für Familien stimmauffälliger Kinder auf systemtheoretischer Grundlage (2000/4)
  • Grunau, Horst
    Dialog und Ausdruck - Leitlinien logopädischer Übungskommunikation (2000/3)
  • Heptner, Michael
    Die zu hohe Sprechstimmlage: Therapieansätze aus funktionaler Sicht (2000/2)