Hörstörungen

Eine Hörstörung wird subjektiv erst relativ spät wahrgenommen, da ein Hörverlust in der Regel eher schleichend verläuft. 
Beispielweise führt eine lärmbedingte Dauerschädigung des Innenohrs dazu, dass zunächst eine Art Ohrsausen (Tinnitus) einsetzt und/oder sich das Hören vorübergehend verschlechtert, deutlich erkennbar daran, dass der Betroffene sich anstrengen muss, um Sprache zu verstehen.

Taubheit (starke Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit) kann angeboren oder erworben sein. Bei Taubheit bedingt durch Lärmbelastung kann eine allmähliche Verschlechterung des Hörens beobachtet werden: zuerst können die hohen Töne oberhalb der Sprachfrequenzen (z.B. Vogelgezwitscher) nicht mehr gehört werden, dann beginnt der Abbau für die Wahrnehmung von stimmlosen (z.B. /p/ oder /t/), dann stimmhaften (z.B. /b/ oder /d/) Konsonanten, ganz zum Schluß können keine Vokale mehr unterschieden werden.

Bei dauerhaft kräftiger Geräuscheinwirkung entsteht eine sogenannte Lärmschwerhörigkeit. Im fortgeschrittenen Stadium verstehen Menschen nichts mehr und können nicht mehr mitreden, was die gesellschaftliche Isolation zur Folge haben kann.
Generell unterscheidet man leichte (< 30 dB), mittlere (30-60 dB) und hochgradige Hörstörungen (> 60 dB). Ein Kind wird bereits dann als hörgestört bezeichnet, wenn es im Hauptsprachbereich (zwischen 250–4000 Hz**) einen Hörverlust über 20 dB** aufweist.

Welche Arten von Hörstörungen gibt es?

Hörstörungen lassen sich in Schallleitungsschwerhörigkeiten (äußeres Ohr und Mittelohr) und Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohr und zentrales Nervensystem) sowie zentrale Hörverarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen unterteilen.

Schallleitungsschwerhörigkeiten entstehen, wenn der Weg des Schalls vom äußeren Ohr über den Gehörgang zum Mittelohr (Trommelfell, Gehörknöchelchen) behindert, d. h. abgeschwächt wird, dies kann aufgrund von Erkältungskrankheiten, vergrößerten Rachenmandeln oder auch durch zu hohe Geräuscheinwirkung entstehen. Des Weiteren kann auch im Alter eine Schwerhörigkeit entstehen, die sogenannte "Presbyakusis".

Schallempfindungsschwerhörigkeiten entstehen durch Störungen im Bereich des Hörorgans und der den Höreindruck verarbeitenden Hirnareale.

Wenn die Innenohren nicht mehr in der Lage sind, den Schall in Nervenimpulse umzuwandeln, kann ein Cochlear Implant (CI) diese Funktion des Innenohres ersetzen und das Hören wieder ermöglichen. Ein Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese für hochgradig schwerhörige und gehörlose Kinder oder Erwachsene, denen herkömmliche Hörgeräte wenig oder gar keinen Nutzen mehr bringen.

In den letzten Jahrzehnten ist eine Zunahme von Patienten zu verzeichnen, die einen Hörsturz erleiden. Beim Hörsturz ist das Hören ganz plötzlich gestört, d.h. der Patient hört von einem auf den anderen Moment nichts mehr. Daher ist es wichtig, einen HNO-Arzt aufzusuchen, um Ursachen möglichst schnell zu lokalisieren, dies können z.B. sein: akute Durchblutungsstörungen im Bereich des Innenohrs, Virusinfekte, Autoimmun-Erkrankungen oder körperliche und vor allem psychische Belastungen ("Stress").

Des Weiteren gibt es eine deutliche Zunahme von Patienten, die unter Ohrgeräuschen (Tinnitus) leiden, d.h. sie hören permanent Geräusche wie Pfeifen, Rauschen, Summen, Klingeln, Brummen oder auch Hämmern. Dies gilt insbesondere für Patienten zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr.

Hören Sie gut?

Der nachfolgende Selbsttest für Erwachsene wurde von der American Speech-Language-Hearing Association (ASHA) entwickelt und erlaubt eine orientierende Einschätzung der eigenen Hörfähigkeit.

Wenn Sie zwei der nachfolgenden Fragen mit "Ja" beantworten, sollten Sie einen Facharzt zur Abklärung ihres Hörvermögens aufsuchen:

  • Haben Sie Probleme andere am Telefon zu verstehen?
  • Hören Sie am Telefon auf einem Ohr besser als auf dem anderen?
  • Haben Sie Probleme dem Gespräch zu folgen, wenn zwei oder mehr Menschen gleichzeitig daran teilnehmen?
  • Beklagen sich Ihre Mitmenschen darüber, dass Sie das Fernsehgerät oder andere Medien zu laut einstellen?
  • Müssen Sie sich anstrengen, um einem Gespräch zu folgen?
  • Haben Sie Probleme in einer lauten Umgebung Gesagtes zu verstehen?
  • Haben Sie Probleme in Restaurants Gesagtes zu verstehen?
  • Empfinden Sie Schwindel, Schmerz oder Klingeln in Ihren Ohren?
  • Müssen Ihre Gesprächspartner Sie öfter dazu auffordern, Dinge noch einmal zu sagen?
  • Beklagen sich Ihre Familie oder Arbeitskollegen darüber, dass Sie Vereinbarungen nicht einhalten?
  • Artikulieren viele Menschen, mit denen Sie sprechen, undeutlich?
  • Verstehen Sie öfter Ihr Gegenüber falsch und reagieren Sie dann unangemessen?
  • Haben Sie Probleme, wenn Frauen oder Kinder mit Ihnen sprechen, sie zu verstehen?
  • Reagieren Menschen verärgert, weil Sie sie missverstanden haben?

(Übersetzung Dietlinde Schrey-Dern)

Wo gibt es Beratung und Hilfe?

Bei auftretenden Hörbeeinträchtigungen sollte ein HNO-Arzt, ein Phoniater oder auch phoniatrische Ambulanzen in Kliniken aufgesucht werden. Unterstützung und Hilfe gibt es wie z. B. beim Webportal Hörsturz.de oder auch bei Selbsthilfeorganisationen wie der Deutschen Tinnitus-Liga, die Menschen, die unter einem Hörsturz, Tinnitus, Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit) oder Morbus Menière (Drehschwindel) leiden, berät.

Weiterführende Informationen

Behandlungsleitlinien

Die AWMF-Leitlinie "Periphere Hörstörungen" liegt in einer Kurz- und Langfassung vor und ist derzeit in Überarbeitung, weil die Geltung Dezember 2009 abgelaufen ist. Eine Darstellung findet sich unter:
Seifert, E.; Brosch, S.; Dinnesen, A.G.; Keilmann, A.; Neuschaefer-Rube. C.; Goldschmidt, O.; Nickisch, A.; Reuter, W.; Rohr, M.; Tigges, M. (2005): Periphere Hörstörungen im Kindesalter. Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferenz. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP). In: HNO, 53, S. 376-382.

Des Weiteren gibt es eine S2k-Leitlinie "Cochlea-Implantat Versorgung einschließlich zentral-auditorischer Implantate" der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (bis 2017 gültig).

Die Bundeskommission Qualitätsmanagement (BKQM) hat für alle Leitlinien Besprechungen vorgelegt:

  • Leitlinie Hörstörungen - Kurzfassung
  • Leitlinie Hörstörungen - Langfassung
  • Leitlinie Cochlea Implantat

Leitlinien für Hörstörungen im Erwachsenenalter liegen nicht vor.

Verordnung nach Heilmittelkatalog


Diagnosegruppe SP4
Die Verordnung von Sprachtherapie ist gesetzlich geregelt. Weiterführende Hinweise dazu finden Sie auf der Seite "Logopädie wird verordnet".

Literaturhinweise

ASHA (American Speech, Language, Hearing Association). Self-Test for Hearing Loss. URL: http://www.asha.org/public/hearing/Self-Test-for-Hearing-Loss/; 11.12.2012

Biesinger, E. (2012).  Tinnitus: Endlich Ruhe im Ohr: Ursachen erkennen und ausschalten. Die besten Therapien für Akut- und Langzeitbehandlung. Mit großem Selbsthilfeteil. Stuttgart: Trias/Thieme

Gummelt, I. (2005). Mein Leben: nach Schwerhörigkeit und Taubheit ein neues Hören mit dem Cochlea Implantat. Illertissen: DCIG

Probst, R.; Grevers, G.; Iro, Heinrich. (Hrsg.) (2008). Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3.Auflage, Stuttgart: Thieme

Otto, K., Streicher, B. (2011).Cochlea-Implantat (CI) bei Erwachsenen - Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und (Sprach-) Therapeuten.  Idstein: Schulz-Kirchner

Fortbildungsangebote

Links

dbl-Materialien

Arbeitskreis "Hörstörungen"

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Fachartikel in chronologischer Reihenfolge (absteigend sortiert):

  • Großgerge, Helmut
    Die Hyperakusis des Kindes (2001/2)
  • Illg, A.; Rost, U.; Strauß-Schier, A.; Neuburger, J.; Gnadeberg, D.;
    Lenarz, T.

    Cochlea-Implantat-Versorgung an der Medizinischen Hochschule Hannover (2000/1)
  • Sandrieser, Patricia
    Cochlea-Implantation: Das Münsteraner Konzept (2000/1)