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dbl-Wahlprüfsteine und Positionen der Parteien

Viele Logopädinnen und Logopäden stellen sich die Frage, wie die Parteien zu wichtigen Themen der Logopädie stehen. (©vmelinda - Fotolia.com)

Etwa 61,5 Millionen Menschen sind berechtigt, am 24. September 2017 mit ihrer Stimme über die Zusammensetzung des nächsten Deutschen Bundestages mitzubestimmen. Circa 11.000 davon sind Mitglied im dbl. Viele fragen sich, ob ihre beruflichen Interessen bei den antretenden Parteien sowie bei den Kandidatinnen und Kandidaten gut vertreten sind.

Deshalb hat die dbl-Geschäftsstelle die zentralen politischen Forderungen unseres Verbandes in Wahlprüfsteinen zusammengefasst und an die Parteien CDU, CSU, SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und AFD gesandt.

Im Einzelnen handelt es sich um Positionen und Fragen zu den Themen:

  • Berufsgesetz und Ausbildung
  • Logopädie und Direktzugang
  • Logopädie als Schnittstelle zwischen Gesundheits- und Bildungssystem
  • Logopädie als Ressource in Gesundheitsförderung und Prävention
  • Sicherstellung der ambulanten und stationären Versorgung
  • Ausreichende und angemessene Finanzierung logopädischer Leistungen

Nachfolgend finden Sie unsere Wahlprüfsteine. Sie können Ihnen in komprimierter Form gut für die inhaltliche Vorbereitung von Gesprächen mit Politikern sowie als Handout dienen. Die Antworten der Parteien werden hier vollständig veröffentlicht. Eine gekürzte Version finden Sie in der Septemberausgabe von Forum Logopädie.


Berufsgesetz und Ausbildung

Das Gesetz über den Beruf des Logopäden von 1980 entspricht nicht den heutigen Anforderungen an unseren Beruf. Dies hat die Bundesregierung nach der positiven Evaluation der Modellstudiengänge (2015) im Rahmen der Modellklausel bestätigt. Die Notwendigkeit einer primärqualifizierenden hochschulischen Ausbildung ergibt sich auch aus den aktuellen und zukünftigen Anforderungen an eine angemessene Patientenversorgung und der längst überfälligen Gleichstellung der deutschen Logopädinnen und Logopäden mit den Kolleginnen und Kollegen in den anderen europäischen Ländern. Darüber hinaus kann damit die unübersichtliche Heterogenität im Bereich der Logopädie/ Sprachtherapie mit derzeit 12 unterschiedlich ausgebildeten Berufen beendet werden.

Unbefriedigend ist zudem, dass die meisten Logopädinnen und Logopäden ihre Ausbildung an privaten Bildungseinrichtungen absolvieren und deshalb selbst bezahlen müssen. Dies gilt sowohl für schulische als auch für hochschulische Ausbildungswege. Dagegen ist ein grundständiges Studium - beispielsweise der Pharmazie oder der Medizin - an einer staatlichen Hochschule unentgeltlich.

1. Wie stehen Sie zur Forderung nach der Revision des Berufsgesetzes in der kommenden Legislatur­periode?

 

2. Wie stehen Sie zur Forderung nach einer primärqualifizierenden hochschulischen Ausbildung für die Berufsgruppe der Logopädinnen und Logopäden?

 

3. Wie stehen Sie zu unserer Forderung, dass die Berufsausbildung mindestens bis zum ersten Berufsabschluss in Deutschland grundsätzlich unentgeltlich sein muss? Welche Konzepte hat Ihre Partei, dies umzusetzen?


Logopädie und Direktzugang

Patientinnen und Patienten mit Sprach-, Sprech-, Stimm-, Hör- oder Schluckstörungen können in Deutschland - anders als in vielen anderen Ländern - nicht ohne eine ärztliche Verordnung logopädisch behandelt werden. Dabei ist die Diskussion um den Direktzugang zu therapeutischen Leistungen nicht-ärztlicher medizinischer Heilberufe in vollem Gange. Im Gesundheitssystem wird die Notwendigkeit der stärkeren Einbeziehung und Verantwortungsübertragung auf die nichtärztlichen Leistungserbringer und damit auch auf die Logopädinnen und Logopäden gesehen. Ein Direktzugang zur logopädischen Behandlung hat viele Vorteile: Er entlastet die Ärztinnen und Ärzte und trägt so zur Optimierung des Gesundheits­systems bei, erleichtert die Sicherstellung der Patientenversorgung insbesondere im ländlichen Raum und nutzt die fachlichen Kompetenzen unserer Berufsgruppe.

4. Wie stehen Sie zum Direktzugang im Bereich der logopädischen Versorgung?


Logopädie als Schnittstelle zwischen Gesundheits- und Bildungssystem

Eine gesunde Sprachentwicklung ist die Basis für den Bildungserfolg jedes Kindes. Logopädinnen und Logopäden verfügen über die diagnostische Kompetenz, sprachauffällige und sprachgestörte Kindern zu differenzieren und so zu entscheiden, welche Kinder Sprachförderung und welche Sprachtherapie brauchen. Ziel muss sein, die sprachlichen Defizite rechtzeitig vor der Einschulung zu überwinden, um den Bildungserfolg der betroffenen Kinder zu gewährleisten. In Schuleingangsuntersuchungen werden seit mehr als zwei Jahrzehnten bei 25-30 % der Kinder sprachliche Probleme festgestellt. Dies ist ein Beleg dafür, dass nach wie vor ein erhebliches Defizit bei der Früherkennung und rechtzeitigen Intervention besteht. Daher sollten die logopädischen Kompetenzen der Sprachentwicklungs diagnostik, Sprachtherapie und Sprachförderung zukünftig stärker genutzt werden.

Die zunehmende Ganztagsbetreuung von Vorschulkindern macht es zudem erforderlich, notwendige Maßnahmen zur Sprachtherapie - wie schon bei der Sprachförderung - in den Einrichtungen durchzu­führen. Die geltende Heilmittel Richtlinie lässt dies jedoch derzeit nicht zu. Darüber hinaus ist im Rahmen der Umsetzung des Inklusionsgesetzes, das u. a. für behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen eine Unterstützung im regelschulischen und beruflichen Alltag vorsieht, die Arbeit von Logopädinnen und Logopäden in Einrichtungen wie Kitas, Schulen und Arbeitsstätten unabdingbar.

5. In welcher Weise setzt sich Ihre Partei dafür ein, dass die Früherkennung von Sprachentwicklungs­störungen als logopädische Aufgabe an der Schnittstelle zwischen Bildungs- und Gesundheitswesen etabliert wird?

 

6. Wie stehen Sie zur Anpassung der Heilmittel-Richtlinie hinsichtlich der Durchführung von Therapien in Einrichtungen des Bildungswesens?


Logopädie als Ressource in Gesundheitsförderung und Prävention

Im Rahmen ihrer therapeutischen Tätigkeit sind Logopädinnen und Logopäden stets auch gesundheitsfördernd und präventiv tätig, z. B. durch Förderung der sozialen Teilhabe und funktionalen Gesundheit sowie der Vermeidung, Verzögerung oder Milderung möglicher Folgeerkrankungen von Kommunikations-, Sprach-, Sprech-, Stimm-. Schluck- und Hörstörungen. Logopädie versteht sich hier auch als Schnittstelle von Gesundheit und Bildung und damit als gesellschaftlich wichtiger Baustein zum Abbau und zur Vermeidung gesundheitlich und sozial bedingter Chancenungleichheit. Der Gesetzgeber hat Gesundheitsförderung und Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe erkannt und setzt auf die zielgerichtete Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Hier fehlt es hinsichtlich der Einbeziehung der Logopädie noch an der notwendigen Konkretisierung.

7. In welcher Weise setzt sich Ihre Partei dafür ein, dass die Logopädie als Ressource im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung genutzt wird?


Sicherstellung der ambulanten und stationären Versorgung

Die mit der demografischen Entwicklung einhergehende Zunahme von Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen bei älteren Menschen ist eine Herausforderung für die logopädische Versorgung. Notwendig ist eine optimale Organisation und Kooperation zwischen ambulanter und stationärer Versorgung (Entlassmanagement und Anschlussversorgung gemäß dem GKV-Versorgungsstärkungs­gesetz) sowie die Sicherstellung ausreichender logopädischer Ressourcen im stationären (Stichwort: Personalabbau und Outsourcing in Kliniken) und im ambulanten (siehe Punkt sechs) Bereich. Insbesondere im ländlichen Raum ist die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit logopä­dischen Leistungen schwierig. Hier brauchen wir Ideen zur Verbesserung der Versorgungssituation, beispielsweise den Direktzugang (siehe Punkt zwei), Anreize zur Niederlassung auf dem Land, z. B. über eine angemessene Vergütung von Wegezeiten oder logopädische Modellprojekte zur Erprobung neuer Versorgungswege.

8. In welcher Weise setzt sich Ihre Partei für die Sicherstellung der Versorgung mit logopädischen Leistungen im ambulanten und stationären Bereich ein?


Ausreichende und angemessene Finanzierung logopädischer Leistungen

Bisher werden Logopädinnen und Logopäden für ihre Arbeit - unabhängig davon, ob sie angestellt oder freiberuflich tätig sind - nicht angemessen vergütet: Im TVÖD entspricht die Eingruppierung nicht dem Tätigkeitsprofil, sondern folgt dem laut Berufsgesetz vorgesehenen Abschluss an einer Berufsfachschule. Damit ist eine Höhergruppierung auch nach längeren Berufsjahren nicht möglich, daher erweist sich das geltende Berufsgesetz für die Berufs­angehörigen als Sackgasse (s. Punkt 1).

Ein Problem stellt auch das Outsourcing sprachtherapeutischer Leistungen durch viele Kliniken dar, das zum Zerfall interdisziplinärer Teams und damit zu einer Verschlechterung der Behandlungsqualität, der Arbeitsbedingungen und der Vergütung führt. Dabei umgehen Arbeitgeber nicht selten geltende Tarifverträge. Die Vergütung angestellter Logopädinnen und Logopäden in freien Praxen liegt deutlich unter TVöD-Tarif und hat streckenweise die Höhe des Mindestlohns. Dies ist eine Folge der unzureichenden Vergü­tung logopädischer Leistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen; der durchschnittliche Wert liegt hier bei 37,94 Euro (West) für 45 Minuten Therapie plus Vor- und Nachbereitung. Besonders schlecht steht es in den östlichen Bundesländern, wo auch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung z. T. die Vergütungssätze mit 31,49 Euro fast 12 % unter der Vergütung in den alten Bundesländern liegen. Unter diesen Bedingungen ist eine rentable Praxisführung und die Zahlung angemessener Gehälter für die Angestellten nicht möglich.

Eine Erhöhung der Vergütung ist dringend notwendig, zumal die fachlichen und administrativen Anforderungen an die Praxen stetig steigen. Nur so kann auch verhindert werden, dass immer mehr junge Logopädinnen und Logopäden nach Abschluss der Ausbildung oder nach wenigen Berufsjahren in andere Berufe abwandern, was sich in ländlichen Bereichen bereits heute negativ auf die Versorgungssituation auswirkt.

9. Wie steht Ihre Partei zur Forderung nach gesetzlicher Personalbemessung in Kliniken und Krankenhäusern?

 

10. Was tut Ihre Partei gegen die Umgehung geltender Tarifverträge und die Tarifflucht durch Kliniken?

 

11. Was tut Ihre Partei, um unsere Forderung nach einer besseren Vergütung ambulanter logopädischer Leistungen durch die Krankenkassen zu unterstützen?