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Diagnostikstandards des dbl

Allgemeine Erläuterungen zu logopädischer Diagnostik

Diagnostik meint die Fähigkeit...

Zu Beginn jeder logopädischen Behandlung findet eine Befunderhebung statt, die in der Regel als logopädische Diagnostik bezeichnet und auf ärztliche Verordnung hin von Logopäden durchgeführt wird. Eine differenzierte Diagnostik ist unverzichtbare Voraussetzung für eine störungsspezifische und zielorientierte logopädische Behandlung.

Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (International Classification of Functioning, Disability and Health, ICF) orientiert sich sowohl an Fähigkeiten und Ressourcen als auch an Störungen des Patienten (WHO, 2005). Dieses Verständnis von Rehabilitation ist die Voraussetzung für eine  teilhabe- und ressourcenorientierte logopädische Diagnostik und Behandlung.

Die Ziele der logopädischen Diagnostik hängen von der spezifischen Fragestellung an die  Untersuchung ab. Je nach Fragestellung kann es sich beispielsweise um folgende Ziele handeln:

Die vom Logopäden gewählten Methoden der Diagnosefindung unterscheiden sich je nach logopädischem Störungsgebiet, Alter des Patienten, Ätiologie und Krankheitsverlauf sowie individueller Therapiezielsetzung und diagnostischer Fragestellung. Bestandteil der logopädischen Befunderhebung ist neben der Anamnese (Eigen- bzw. Fremdanamnese) die spezifische Untersuchung mittels geeigneter Diagnostikverfahren. Grundsätzlich werden folgende Verfahren zur Befunderhebung unterschieden (Beushausen, 2007, 27/28):

  • Befragung:
    freie oder spezifische Befragung zur Erhebung der Krankengeschichte und    persönlichen Lebensumstände, z.B.  Anamnesegespräch, standardisiertes    Interview
  • Beobachtung:
    quantitative und qualitative Beurteilung von Verhalten, z.B.Spontansprachanalyse
  • Screeningverfahren:
    kurze, orientierende Verfahren, die einen Ersteindruck verschaffen, auf Grundlage dessen geeignete standardisierte Testverfahren ausgewählt werden können
  • standardisiertes Testverfahren:
    Verfahren, die die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllen und dessen Testwerte mit einer Normstichprobe verglichen werden

Die Verfahren der Befunderhebung werden hypothesengeleitet vom untersuchenden Logopäden ausgewählt und in der logopädischen Diagnostik eingesetzt. In ihrer Ausbildung lernen Logopäden die Zielsetzungen, die theoretische Struktur und die Methodik dieser Verfahren intensiv kennen, um eine aussagekräftige Diagnostik durchführen, auswerten und interpretieren zu können. Gleichzeitig lernen sie die logopädische Diagnose so zu formulieren, dass sie als Grundlage für die effektive Therapieplanung und zur Ableitung von Behandlungszielen dient.

Für eine erfolgreiche Behandlungsplanung ist in den meisten logopädischen Tätigkeitsbereichen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen sinnvoll.

Literatur

Beushausen, U. (2007). Testhandbuch Sprache. Diagnostikverfahren in Logopädie und Sprachtherapie. Verlag Hans Huber: Bern.

WHO (2005). ICF: Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit. Zugriff am 27.1.2011 auf: http:\\www.dimdi.de/static/de/klassi/icf/index.htm

Erläuterungen zu den logopädischen Diagnostikstandards des dbl

Bei der Erstellung dieser Leitfäden wurde großer Wert auf eine objektive Darstellung der erforderlichen Prozesse der logopädischen Befunderhebung gelegt. Sie spiegeln den aktuellen Stand der klinischen Praxis auf Grundlage der gegenwärtigen Literatur wider. Daraus ergibt sich, dass es ausdrücklich nicht Aufgabe der Leitfäden sein kann, einzelne Test-, Screening- oder Beobachtungsverfahren zu nennen oder gar zu empfehlen. Eine neutrale Aufzählung aller derzeit und zukünftig auf dem Markt erhältlichen Verfahren ist nicht möglich, eine Vollständigkeit könnte niemals gewährleistet werden. Dem gegenüber steht der Verzicht auf die Hervorhebung und Bewertung einzelner Verfahren für eine objektive Positionierung des dbl und lässt so dem unvoreingenommenen Leser Freiräume für individuelle Entscheidungen bei der Wahl seiner Diagnostikinstrumente.

Schaubild Diagnostikstandards

Mit dem Ziel, die Qualitätssicherung in der logopädischen Diagnostik zu unterstützen, hat der dbl zunächst zwei Diagnostikstandards erstellt:

  • Diagnostikstandard bei Kindern
  • Diagnostikstandard bei Erwachsenen

Diese sind aufgebaut im Stil eines Algorithmus, der die allgemeinen Abläufe von der ärztlichen Überweisung des Patienten bis ggf. zum Therapiebeginn störungsbildunabhängig beschreibt.
Noch etwas genauer differenziert im Bereich der Erwachsenen darüber hinaus der Standard:

  • Diagnostikstandard bei Neurologischen Störungen bei Erwachsenen

Diese drei Standards werden ergänzt durch Leitfäden zu den verschiedenen logopädischen Störungsbildern: Hier erfolgt eine Schilderung der störungsspezifischen Teilprozesse logopädischer Befunderhebung, die auch auf die Bereiche Anamnese, (klinische) Beobachtung, störungsspezifische Diagnostik und Zusammenschau der Ergebnisse eingeht. Abgerundet werden die Leitfäden durch zusätzliche Angaben zu Definition, Klassifikation und Ätiologie des jeweiligen Störungsbildes.