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Erfahrungsbericht

Der Weg zur Promotion: steinig aber lohnend

Autorin Nicole Hübl

Die Entscheidung zu promovieren traf ich ein halbes Jahr nach dem Abschluss meines Studiums der Lehr- und Forschungslogopädie an der RWTH Aachen. Ich war in Teilzeit als klinische Logopädin am Universitätsklinikum Düsseldorf sowie in Teilzeit in einer logopädischen Praxis angestellt. In der Klinik arbeitete ich täglich mit den Patienten und ihren Schwierigkeiten, die mein Forschungsinteresse waren: Frühgeborene und ihre orale Ernährung. Bereits in meiner Diplomarbeit hatte ich mich damit beschäftigt und ich wollte weiter wissenschaftlich zu diesem Thema arbeiten. Da meine Stelle nicht wissenschaftlich sondern klinisch war, ermöglichte sie mir zwar den Patientenkontakt und den Ausbau meiner Erfahrungen, ließ aber keine Zeit für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Also beschloss ich in Teilzeit neben meiner Stelle am Universitätsklinikum zu promovieren und gab meine andere Teilzeitstelle in der Praxis auf. Das Thema meiner Doktorarbeit ergab sich aus meiner täglichen klinischen Tätigkeit mit den Frühgeborenen. Ich wollte eine prospektive Studie zur Ernährungsentwicklung Frühgeborener machen, um frühe Prädiktoren für mögliche spätere Auffälligkeiten in der Ernährungsentwicklung identifizieren zu können und somit langfristig gezielter und frühzeitig therapeutisch intervenieren zu können. Die Themenfindung war schnell abgeschlossen, weitaus schwieriger gestalteten sich die organisatorischen Rahmenbedingungen: An welcher Universität promoviere ich? Wer betreut meine Doktorarbeit? Wie finanziere ich meine Forschung?
Ich musste feststellten, dass eine Promotion für Dipl.-Logopäden nicht einfach an jeder Universität möglich war, bspw. wurde mein Antrag an der Universität Düsseldorf mit dem Hinweis auf die Promotionsordnung, die Dipl.-Logopäden nicht vorsah, abgelehnt. Möglich war die Promotion dann an der RWTH Aachen, an der auch mein Erstbetreuer tätig ist. Meinen Zweitbetreuer konnte ich am Universitätsklinikum Düsseldorf gewinnen, an dem ich das Forschungsprojekt auch durchführen wollte. Dies war nicht einfach gewesen. Viele Professoren, die ich ansprach, fanden mein Forschungsvorhaben zwar spannend, fühlten sich aber in diesem Spezialgebiet nicht kompetent genug, die Promotion zu betreuen. Die Suche nach Promotionsort und –betreuung erstreckte sich über mehr als ein halbes Jahr und kostete Zeit und Nerven. Gleichzeitig stand von Anfang an natürlich die Finanzierungsfrage meiner Promotion im Raum. Da ich in Teilzeit an der Universitätsklinik Düsseldorf weiter tätig war und sein wollte, qualifizierte ich mich nicht für die Bewerbung bei öffentlichen Stiftungen oder Stipendien, die eine maximale Arbeitszeit neben der Promotion von fünf bis maximal zehn Wochenstunden erlaubten. Ich wollte meine klinische Tätigkeit aber nicht aufgeben, da die Kombination von praktischer Tätigkeit und Forschung für mich ideal war. Also finanzierte ich das Projekt zunächst selbst und bewarb mich 2010 beim dbl für die Forschungsförderung. Diese erhielt ich tollerweise im Jahr 2011, so dass meine Material – und Fahrtkosten zu Probanden und Arbeitstreffen mit Expertengruppen finanziert werden konnten. Der dbl stellt hier eine einzigartige Form der Forschungsförderung dar, da konkrete Forschungsprojekte über den Zeitraum von einem Jahr gefördert werden, auch wenn diese parallel zu einer klinischen Tätigkeit durchgeführt werden. Bevor man sich für eine Promotion entscheidet, sollte man sich über den zeitlichen Rahmen bewusst werden. Verfolgt man ausschließlich die Promotion oder will man parallel weiter praktisch arbeiten? Ich hatte mich für die zweite Variante entschieden, auch wenn dies bedeutete, dass die Promotion über einen Zeitraum von vier Jahren angelegt werden musste.
Meine Promotion war und ist eine lange und anstrengende Zeit, in der ich einige –insbesondere organisatorische- Hürden überwinden musste. Aber rückblickend ist es vor allem eine sehr lohnende Zeit, in der ich mich intensiv wissenschaftlich mit einem spannenden Thema auseinandersetzen konnte. Für mich ist das Thema meiner Promotion heute so spannend wie am ersten Tag und ich plane meine Forschungstätigkeit auch nach der Promotion weiterzuführen.