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Verbale Entwicklungsdyspraxie

Die Symptome sind vergleichbar denen der Sprechapraxie, d.h. die Planung von Sprechbewegungen ist gestört.Schon früh zeigen betroffene Säuglinge/Kinder Probleme bei der Nahrungsaufnahme, d.h. sie verschlucken sich häufig (husten), weil der Ablauf von Saugen-Schlucken-Atmen beeinträchtigt ist. Beim Übergang von breiiger zu fester Nahrung wird viel Speichel produziert. Auch kann zuweilen beobachtet werden, dass die Kinder grobmotorisch ungeschickt sind, d.h. sie neigen zu häufigem Stolpern. Die Sprachentwicklung dieser Kinder ist dadurch gekennzeichnet, dass sie nur wenige Lalllaute produzieren (s. Sprechentwicklung). In den ersten Lautproduktionen fehlen die Konsonanten, sie produzieren eine Art "Vokalsprache" (z. B. "aaoo"). Sie werden auch als "stille Babys" bezeichnet und haben einen verspäteten Sprechbeginn ("Late Talker").

Welche Ursachen hat eine verbale Entwicklungsdyspraxie?

Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass die verbale Entwicklungsdyspraxie genetisch verursacht ist, d.h. die für die Steuerung der Sprechbewegungen zuständigen Hirnareale scheinen betroffen zu sein.

Wie häufig kommt eine verbale Entwicklungsdyspraxie vor?

Die Störung kommt bei einer kleinen Gruppe von Kindern mit Sprachentwicklungs-störungen vor.

Wie wird eine verbale Entwicklungsdyspraxie festgestellt?

Wie bei der Sprechapraxie werden Artikulation, Lautbildung, Prosodie und Sprechflüssigkeit untersucht. Des Weiteren wird eine Abgrenzung zu anderen Störungen wie Dysarthrie und phonologischer Störung vorgenommen.

Wie wird eine verbale Entwicklungsdyspraxie behandelt?

Das Training von Sprechbewegungsabläufen steht im Mittelpunkt der Therapie. Daher werden Übungen mit einer hohen Wiederholungsrate angeboten, d.h. tägliches Üben ist erforderlich, damit die Bewegungsabläufe automatisiert werden. Dies bedeutet auch, dass die Eltern auf jeden Fall in dieser Arbeit einzubeziehen sind.

Was können Eltern bei Verdacht auf eine Artikulationsstörung tun?

Wenn sich Eltern unsicher sind, ob die Artikulation ihrer Kinder altersgemäß entwickelt ist, sollten sie mit dem behandelnden Kinderarzt darüber sprechen. Auf seine Entscheidung hin erfolgt eine Verordnung zur logopädischen Therapie, die eine ausführliche Diagnostik einschließt, und  neben der genauen Untersuchung der Aussprache auch eine Beratung der Eltern beinhaltet. Aber auch in pädiatrischen Ambulanzen von Kliniken oder Frühfördereinrichtungem oder Sozialpädiatrischen Zentren sind Ansprechpartner wie z. B. Logopäden für die Beratung und Behandlung der verbalen Entwicklungsdyspraxie zu finden.

Weiterführende Informationen

Definition "Verbale Entwicklungsdyspraxie"

"Die zentrale Störung liegt bei der verbalen Entwicklungsdyspraxie auf der Ebene der Planung und Programmierung der Sprechbewegungen. Das generelle Hauptmerkmal jeglicher Form von Apraxie ist die gestörte Willkürmotorrik. Automatisierte Bewegungsabläufe gelingen hingegen bedeutend besser (Velleman, 2003)." (Schulte-Mäter 2007: 278)

Behandlungsleitlinie

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat eine Behandlungsleitlinie herausgegeben. Sie ist auf der Seite der AWMF auffindbar.

Ausstattungskatalog des dbl

Die "Leitlinien zur Ausstattung eines logopädischen Arbeitsplatzes" geben Hinweise zu allgemeinen und spezifischen Standards der Diagnostik und Therapie logopädischer Störungsbilder.

Verordnung nach Heilmittelrichtlinie

Diagnosegruppe SP6
Die Verordnung von Sprechtherapie ist gesetzlich geregelt. Hinweise dazu finden Sie auf der Seite "Logopädie wird verordnet".

Literaturhinweise
Huber, W., Poeck, K., Springer, L. (2006). Klinik und Rehabilitation der Aphasie. Eine Einführung für Therapeuten, Angehörige und Betroffene. Forum Logopädie, Springer, L., Schrey-Dern, D. (Hrsg.). Stuttgart: Thieme

Schulte-Mäter, A. (2007). Verbaöe Entwicklungsdyspraxie. In: Schöler, H., Welling, A. (Hrsg.). Sonderpädagogik der Sprache. Band 1: Handbuch Sonderpädagogik. Göttingen: Hogrefe. S. 278-284.

dbl-Materialien

Fortbildungsangebote

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Fachartikel in chronologischer Reihenfolge (absteigend sortiert):

  • Heisterüber, Miriam; Gröne, Berthold; Domahs, Frank; Binkofski, Ferdinand
    Hochfrequentes Training der auditiven Analyse bei Aphasie (2012/6)
  • Grönke, Claudia
    APT - Partizipationstraining in der Aphasietherapie mit dem alert-Prinzip (2012/6)
  • Steiner, Jürgen
    Demenz: Logopädie, Beratung und Selbstorganisation (2012/6)
  • Grötzbach, Holger
    Wiederherstellung der Gesundheit oder Teilhabe? (2012/5)
  • Corsten, Sabine; Hardering, Friedericke; Bröckel, Martina
    Der biografisch-narrative Ansatz in der Intervention bei Aphasie (2011/6)
  • Wieser, Melanie; Grötzbach, Holger; Beushausen, Ulla
    Die teilhabe-orientierte Gruppentherapie (TOGT) (2011/6)
  • Friede, Simon; Kubandt, Melanie
    Diagnostik der Aphasie bei Kindern und Jugendlichen (2011/6)
  • Steiner, Jürgen; Venetz, Martin
    Sprachabbau bei Demenz - ein Thema für die Sprachtherapie? (2011/6)
  • Pantke, Karl-Heinz
    Wiedergewinnung der Kommunikation bei einem Locked-in-Syndrom (2011/4)
  • Dallmeier, Pia & Thies, Christina & Grötzbach, Holger & Beushausen, Ulla
    Zielsetzung in der Aphasietherapie (2011/2)
  • Nobis-Bosch, Ruth; Springer, Luise; Radermacher, Irmgard & Huber, Walter
    Supervidiertes Heimtraining bei Aphasie: Sprachlernen im Dialog (2010/5)
  • Storch, Günther & Weng, Ingrid
    Der situative Ansatz in der Aphasietherapie (2010/4)
  • Aichert, Ingrid & Ziegler, Wolfram
    Therapie bei chronischer Sprechapraxie (2010/3)
  • Storch, Günther & Weng, Ingrid
    Der situative Ansatz in der Aphasietherapie (2010/3)
  • Wittler, Marion
    Rückbildungsprozesse i der Akut- und Postakutphase von Aphasien (2009/6)
  • Krüger, Stefan; Breunig, Veronika & Werner, Rebecca
    Die CIAT im klinischen Alltag (2009/6)
  • Haberstroh, Julia; Neumeyer, Katharina & Pantel, Johannes
    Kommunikations-TanDem (2009/5)
  • Gröne, Berthold
    ICF und Dysarthrie (2009/4)
  • Schütz, Sandra
    Möglichkeiten der Angehörigenarbeit bei Aphasie (2009/3)
  • Spitzer, Lena; Beushausen, Ulla & Grötzbach, Holger
    Exekutivfunktionen in der Aphasietherapie (2009/3)
  • Grötzbach, Holger; Bühler, Sabine
    Einen Halt geben: Gruppentherapie bei Patienten mit einer Demenz (2008/6)
  • Steiner, Jürgen
    Sprachabbau bei beginnender Demenz: Bausteine für eine heilpädagogisch-logopädische Diagnostik (2008/6)
  • Bisch, Sandra; Hartmann, Christine; Brauer, Thomas
    Fallbeispiel: Therapieverlauf bei einem Patienten mit Primär Progressiver Aphasie (2008/6)
  • Gutzmann, Hans
    Sprache und Demenzerkrankungen (2008/6)
  • Bilda, Kerstin
    Videogestütztes Konversationstraining in der Aphasietherapie - eine Therapiestudie (2008/5)
  • Vauth, Friederike; Hampel, Pamela; Scibor, Mateusz, Handschu, Rene; Richter, Jörg; Keidel, Matthias
    Synchrone Teletherapie bei Aphasie: Erste Ergebnisse bei Schwer(st)betroffenen (2008/4)
  • Aichert, Ingrid; Ziegler, Wolfram
    Segmentales und Silbisches Lernen bei Sprechapraxie: eine Studie zur Erhebung von Lern- und Transfereffekten (2008/3)
  • Krüger, Stefan
    Der Einsatz visueller Cues in der Behandlung des schweren chronischen Agrammatismus (2008/2)
  • Lange, Yvonne; Radermacher, Irmgard; Springer, Luise
    Das internetbasierte Aphasietherapiesystem "Fleppo": eine methodenvergleichende Therapiestudie (2008/1)
  • Sünderhauf, Simone; Rupp, Eckart; Tesak, Jürgen
    Supervidierte Teletherapie bei Aphasie: Ergebnisse einer BMBF-Studie (2008/1)
  • Nebel, Adelheid; Volkmann, Jens; Deuschl, Günther
    Dysarthrie und tiefe Hirnstimulation bei Parkinson: perzeptive Profile, akustische Analysen, therapeutische Konsequenzen (2007/6)
  • Masoud, Vibeke
    Gruppentherapie bei Aphasie: aktueller Überblick und Praxisbeispiel (2007/6)
  • Möhrle, Christina; Spencer, Pete Guy
    Kinder und Jugendliche mit Aphasie (2007/6)
  • Hooge, Wibke; Pfleiderer, Heidemarie; Springer, Luise
    Mapping-Therapie und PC-gestütztes Training von Objekt-Verb-Phrasen - eine komparative Studie (2007/6)
  • Wagner, Susanne
    Zum Erhalt der Kommunikationsfähigkeit bei progressiven neurodegenerativen Erkrankungen am Beispiel der PSP (2007/4)
  • Coopmans, Jeanine
    Alltagsrelevante Aphasietherapie (2007/1)
  • Heidler, Maria-Dorothea
    "Kognitive Dysphasien" - Klassifikation, Diagnostik und Therapie nichtaphasischer zentraler Sprachstörungen (2007/1)
  • Schomacher, Marion; Breitenstein, Caterina u.a.
    Erste Ergebnisse zur Effektivität eines intensiven und hochfrequent repetitiven Benenn- und Konversationstrainings bei Aphasie (2006/4)
  • Funk, Julia; Montanus, Susanne, Kröger, Bernd, J.
    Therapie von neurogenen und kindlichen Sprechstörungen mit dem PC-Programm "Speech Trainer" (2006/2)
  • Nobis-Bosch, Ruth; Radermacher, Irmgard; Springer, Luise
    Das elektronische Hilfsmittel B.A.Bar in der Aphasietherapie: Eine Einzelfallstudie zum supervidierten Heimtraining (2006/2)
  • Päßler, Daniela
    Einsatz der elektronischen Kommunikationshilfe "TouchSpeak" bei Aphasie (2006/2)
  • Springer, Luise; Hupp, Thomas; Spaniol, Marc; Klamma, Ralf
    SOCRATES-Chat für Aphasiker: Die Entwicklung einer virtuellen Gemeinschaft für Sprech- und Sprachgestörte (2006/2)
  • Grötzbach, Holger
    Die Bedeutung der ICF für die Aphasietherapie in der Rehabilitation (2006/1)
  • Brand, Matthias; Markowitsch, Hans J.
    Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen (2005/5)
  • Schultze-Jena, Andrea; Becker, Regine
    Anhaltspunkte für eine Demenz in der Aphasiediagnostik – Ergebnisse einer Pilotstudie (2005/5)
  • Grötzbach, Holger
    Evidenzbasierte Aphasietherapie (2005/4)
  • Aichert, Ingrid; Kiermeier, Steffanie
    Neue Wege in der Aphasiediagnostik: LeMo - ein modellorientiertes Diagnostikverfahren (2005/4)
  • Brand, Matthias; Markowitsch, Hans J.
    Neuropsychologie von Gedächtnisstörungen (2005/4)
  • Rother, Angelika
    Logopädische Therapie des Landau-Kleffner-Syndroms (2005/4)
  • Heberlein, Ilse; Vieregge, Peter
    Einfluss von Sprechstörungen auf Lebensqualität und Bewältigungsstrategien von Parkinson-Patienten (2005/3)
  • Jaeger, Marion
    Untersuchung nonverbaler Funktionen in der Dysarthriediagnostik (2004/5)
  • Grötzbach, Holger
    Zielsetzung in der Aphasietherapie (2004/5)
  • Kroker, Ingo; Runge, Volker
    Die Aphasie-Selbsthilfebewegung in Deutschland: Ein Partner der Logopädie (2004/3)
  • Aichert, Ingrid: Ziegler, Wolfram
    Sprechapraxie und die Silbe: Theoretische Überlegungen, empirische Beobachtungen und therapeutische Konsequenzen (2004/2)
  • Nicola, Franziska; Ziegler, Wolfram; Vogel, Matthias
    Die Bogenhausener Dysarthrieskalen (BODYS): Ein Instrument für die klassische Dysarthriediagnostik (2004/2)
  • Seewald, Barbara; Rupp, Eckart; Schupp, Wilfried
    Computergestützte Aphasiebehandlung: Das Konzept der EvoCare-Therapie (2004/2)
  • Kalbe, Elke; Reinhold, Nadine; Brand, Matthias; Kessler, Josef
    Die Aphasie-Check-Liste (ACL): Ein neues Instrument zur Aphasiediagnostik (2003/3)
  • Ziegler, Wolfram
    Zur Autonomie sprechmotorischer Kontrollfunktionen (2003/2)
  • Pusswald, Gisela; Hütter, Bernd-Otto; Mildner, Christa
    Lebensqualitätserhebung bei Aphasikern mit dem Aachener Lebensqualitätsinventar (ALQI) (2002/6)
  • Bilda, Kerstin
    Verbale und visuelle Konzeptstörungen bei Aphasie: eine modellgeleitete Therapiestudie (2002/1)
  • Bogalski, Angela; Mingers, Anke
    Verbales Arbeitsgedächtnis, Sprachverarbeitungsprozess und Aphasie (2001/4)
  • Gadatsch, Sandra; Ritz, Diana: Schlee, Wiebke
    Computereinsatz in der Aphasietherapie: Eine binationale Studie (2001/4)
  • Cholewa, Jürgen
    Qualitätssicherung durch computergestützte Evaluierung in der Aphasietherapie (2001/1)
  • Claros-Salinas, Dolores
    Therapiekonzepte zur beruflichen Wiedereingliederung aphasischer Patienten (2001/1)
  • Danz, Ursula; Lauer, Norina
    Modellorientierte Behandlung der Tiefendyslexie - ein Fallbeispiel (2001/1)
  • Müller, H.U.
    "... musste Gedanken zusammenschnüren, brauchte Zeit, Worte die Sätze ergeben, zu formen" (2001/1)