Sie befinden sich hier: Startseite > Kommunikation, Sprache, Sprechen, Stimme, Schlucken > Störungen bei Kindern > Früherkennung ist notwendig 

Früherkennung ist notwendig

Nicht erst seit der Untersuchung des IQWIG (Institut zur Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) zur „Früherkennung umschriebener Störungen des Sprechens und der Sprache“ wird der Früherkennung von Sprachentwicklungsstörungen große Bedeutung beigemessen.  
Aus der Fachliteratur ist seit langem bekannt, dass signifikante Zusammenhänge zwischen der Sprachentwicklung und anderen Entwicklungsbereichen  bestehen (vgl. Bockmann & Kiese-Himmel 2006). So haben Kinder mit einer umschriebenen Sprachentwicklungsstörung (USES)  „ein erhöhtes Risiko […] an einer psychiatrischen Störung zu erkranken“ und „häufig Aufmerksamkeitsstörungen sowie Defizite im Sozialverhalten“ zeigen. (vgl. de Langen-Müller et al. 2012).  Die Folgen einer USES können sich noch im Erwachsenenalter zeigen.
Aus ärztlicher Sicht wird schon seit langem zu Recht gefordert, dass die Behandlung von Entwicklungsstörungen so früh wie möglich und so intensiv wie nötig erfolgen sollte (vgl. von Suchodoletz, 2002). Diese Ansicht wird in der Zwischenzeit bezogen auf Sprachentwicklungsstörungen auch von Krankenkassen vertreten, wie dem Barmer GEK-Report (2012) zu entnehmen ist.
Die Früherkennung und -diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen dient folgenden Zielen:

  • Sie grenzt tatsächliche und scheinbare Entwicklungsstörungen voneinander ab.
  • Sie bildet eine Grundlage für eine wirksame Frühtherapie.
  • Sie kann die Entstehung oder die Verschlimmerung einer Sprachentwicklungsstörung verhindern. Sie kann Spätfolgen wie einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) oder ein Schulversagen beziehungsweise einer Sonderbeschulung begegnen.

Da Kinder im Alter zwischen 1 und 3 Jahren besonders sensibel sind für das Lernen von Sprache, sind sprachtherapeutische Maßnahmen in dieser Phase besonders effektiv (vgl. Grimm, 2003).

Die Möglichkeiten zur Früherkennung von Sprachenwicklungsstörungen haben sich im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert. Dies liegt im Wesentlichen an wissenschaftlichen Untersuchungen zur Feststellung von Risikofaktoren für eine Sprachentwicklungsstörung und den Kenntnissen zur normalen Sprachentwicklung, die Maßstab für die Einschätzung der gestörten Entwicklung sind.
Dabei kommt den Eltern aber auch dem System der pädiatrischen Vorsorgeuntersuchungen (U3-U9) eine besondere Rolle zu.