Sie befinden sich hier: Startseite > Kommunikation, Sprache, Sprechen, Stimme, Schlucken > Störungen bei Erwachsenen > Logopädie hilft 

Logopädie hilft

Logopäden und Logopädinnen sind darin ausgebildet festzustellen, ob eine Sprach-, Sprech-, Stimm- oder auch Schluckstörung vorliegt und wie sie zu behandeln ist. Sie diagnostizieren und therapieren auf der Grundlage einer ärztlichen Verordnung und beraten Patienten und ihre Angehörigen. Im Vorfeld von Erkrankungen können logopädische Beratung und Präventionsangebote dazu beitragen, Kommunikationsstörungen vorzubeugen. Auch während einer Erkrankung können Logopäden helfen, mögliche Folgen für die Sprache, das Sprechen oder die Stimme abzuwenden beziehungsweise abzumildern.

Was ist eine logopädische Beratung?

Beratung ist grundsätzlicher Bestandteil logopädischer Arbeit. Eine Logopädin berät Patienten und Angehörige, aber auch Ärzte und andere Gesundheitsfachberufe bezüglich der logopädischen Diagnostik und Therapie, indem sie

  • über Möglichkeiten logopädischer Therapie im Vorfeld einer Erkrankung informiert, z.B. bei der Durchführung eines „präoperativen Gesprächs“ im Falle von Kehlkopfkrebs in einer Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde und Plastische Kopf- und Halschirurgie;
  • über den Befund und den sich daraus ergebenden Therapieplan informiert mit dem Ziel, eine Therapieabsprache mit dem Patienten und seinen Angehörigen zu treffen;
  • kontinuierlich über den Therapieverlauf informiert und Veränderungen im Therapieplan abspricht
  • über Möglichkeiten der logopädischen Diagnostik und Therapie Betroffene und auch Angehörige berät.

Wie läuft eine logopädische Diagnostik ab?

Die logopädische Diagnostik beginnt mit der Anamneseerhebung im Rahmen eines Gesprächs oder semi-standardisierten Interviews (z. B. bei Aphasiepatienten mit Betroffenen und/oder Angehörigen), danach wird eine Untersuchung mit Hilfe von störungsspezifischen Tests oder Screenings durchgeführt.

Anamnesegespräch: Im Gespräch/Interview wird eine systematische Befragung des Patienten durchgeführt mit dem Ziel, neben der Erkrankungsgeschichte auch Informationen zur aktuellen persönlichen Situation zu erhalten. Auch Angehörige sollten in diese Befragung einbezogen werden, da sie einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Therapieverlauf haben, da sie Erwartungen an die logopädische Therapie haben, die zu klären sind.

Logopädische Untersuchung: Hier wird gezielt mit Hilfe von störungsspezifischen Test- und Screeningverfahren die jeweilige Störung untersucht. Des Weiteren kann mit Hilfe von Patientenfragebogen die subjektive Einschätzung der vorliegenden Störung abgefragt werden, z. B. im Bereich Stimme mit dem „Voice-Handicap-Index (VHI)“.
Auf der Grundlage der Diagnostik wird ein Befund erstellt, aus dem folgende Angaben hervorgehen:

  • Was wurde untersucht?
  • Mit welchen Untersuchungsverfahren wurde das Kind untersucht?
  • Welche Einzelergebnisse liegen vor?
  • Welche Störung liegt vor?
  • Welche Therapieschwerpunkte sollen in der Therapie bearbeitet werden?

Das Ergebnis des Befundes mit den Betroffenen und seinen Angehörigen besprochen und eine Therapieplanung vorgelegt, aus der hervorgeht, in welchen Bereichen gearbeitet werden soll. Des Weiteren kann hier auch eine Vereinbarung darüber getroffen werden, in welcher Weise Angehörige den Therapieprozess unterstützen können.

Was passiert in einer logopädischen Therapie?

Logopädische Therapie wird immer auf der Grundlage einer logopädischen Diagnostik durchgeführt und ist auf den Betroffenen mit seiner Störung bezogen, wobei die persönliche Befindlichkeit zu berücksichtigen ist, damit ist das Störungsbewusstsein des Patienten gemeint, das sich positiv oder auch negativ auf die Therapie auswirken kann. Ist dem Patienten nicht bewusst, dass er eine Störung hat, z. B. ein Patient mit einer Wernicke-Aphasie, dann kann mit diesem Patienten auch nicht an der Störung gearbeitet werden. Dies trifft in gleicher Weise für Patienten zu, die nicht in der Lage sind, über die eigene Störung zu sprechen („tabuisieren“). Dies kann  z. B. bei stotternden Patienten der Fall sein. In solchen Fällen ist es erforderlich zunächst einmal ein Störungsbewusstsein zu schaffen und gleichzeitig den Patienten darin zu unterstützen, dies zu bewältigen, bevor mit der eigentlichen Arbeit an der Störung begonnen werden kann.

Welche Bedeutung haben Leitlinien der Diagnostik und Therapie in der Logopädie?

Die im dbl zusammengeschlossenen LogopädInnen haben sich in ihrer Berufsordnung der verantwortlichen Durchführung einer qualifizierten und effizienten Therapie verpflichtet. Dies schließt das Bemühen um eine qualitativ hochwertige Therapie ein. Um diese Bemühungen zu unterstützen hat die Bundeskommission Qualitätsmanagement des dbl (BKQM) zahlreiche Maßnahmen zur Qualitätssicherung entwickelt, die den LogopädInnen in ihrer täglichen Arbeit bei der Umsetzung hoher Qualitätsstandards helfen sollen.

Dokumentationsleitlinien

Die Dokumentation ist ein wichtiger Bestandteil von Qualitätssicherung. Sie beschränkt sich nicht auf das schriftliche Fixieren von Handlungsschritten, sondern beinhaltet auch das Reflektieren, Systematisieren, Darstellen und Präsentieren der logopädischen Arbeit. So ist die differenzierte Dokumentation eine notwendige Grundlage zum Nachweis der Effektivität logopädischen Handelns.

Die bereits seit 2004 vorliegenden "Dokumentationsleitlinien Logopädie", die einen wichtigen Standard im Bereich der Prozessqualität logopädischen Handelns darstellen, werden zur Zeit überarbeitet. Als erstes Zwischenergebnis liegen jetzt neue Berichtsvorlagen für Diagnostik- (Link - Mitglieder: www.dbl-ev.de/index.php) und Therapiebericht  (Link – Mitglieder: www.dbl-ev.de/index.php) vor.
Die Berichtsformulare stellen wir exklusiv unseren Mitgliedern zur Verfügung.
Die Berichtsformulare basieren auf einer Technik, die zurzeit NUR von den Browsern INTERNET EXPLORER und FIREFOX zur Verfügung gestellt wird.

Diagnostikstandards

Diagnostik meint die Fähigkeit, Krankheiten zu erkennen. Gemeint ist damit auch die genaue Zuordnung von Befunden, also von Untersuchungsergebnissen, zu einem Krankheitsbegriff. Logopädische Diagnostik kann als Zusammenschau verschiedener sprachlicher Befunde verstanden werden, die zu einer Indikation führt. Eine differenzierte logopädische Diagnostik ist unverzichtbare Voraussetzung für eine störungsspezifische und zielorientierte logopädische Behandlung.
Die Bundeskommission für Qualitätssicherung des dbl hat allgemeine und störungsspezifische Diagnostiksstandards definiert, aus denen der Ablauf und die Grundlagen diagnostischer Arbeit in der Logopädie hervorgehen:

Allgemeine logopädische Diagnostikstandards

Zu Beginn jeder logopädischen Behandlung findet eine Befunderhebung statt, die in der Regel als logopädische Diagnostik bezeichnet und auf ärztliche Verordnung hin von LogopädInnen durchgeführt wird. Eine differenzierte Diagnostik ist unverzichtbare Voraussetzung für eine störungsspezifische und zielorientierte logopädische Behandlung.
Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (International Classification of Functioning, Disability and Health, ICF) orientiert sich sowohl an Fähigkeiten und Ressourcen als auch an Störungen des Patienten (WHO,
2005). Dieses Verständnis von Rehabilitation ist die Voraussetzung für eine teilhabe- und ressourcenorientierte logopädische Diagnostik und Behandlung.

Die Ziele der logopädischen Diagnostik hängen von der spezifischen Fragestellung an die Untersuchung ab. Je nach Fragestellung kann es sich beispielsweise um folgende Ziele handeln

  • Erfassen der individuellen Symptome eines Betroffenen
  • Schweregradbestimmung einer Störung
  • Ermittlung der Therapiebedürftigkeit
  • Durchführung der Differenzialdiagnostik
  • Bestimmen von Ressourcen und Umweltfaktoren
  • Klären der Bedeutsamkeit des Problems aus Sicht des Patienten
  • Therapieverlaufskontrolle und Nachweis von Therapieeffekten

Generell wird zwischen einer Querschnittdiagnose und einer Längsschnittdiagnose unterschieden. Die Querschnittdiagnose gibt Auskunft über den aktuellen Zustand, die Längsschnittdiagnose beinhaltet die Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben (Beushausen, 2007, 26).
Die vom Logopäden gewählten Methoden der Diagnosefindung unterscheiden sich je nach logopädischem Störungsgebiet, Alter des Patienten, Ätiologie und Krankheitsverlauf sowie individueller Therapiezielsetzung und diagnostischer Fragestellung. Bestandteil der logopädischen Befunderhebung ist neben der Anamnese (Eigen- bzw. Fremdanamnese) die spezifische Untersuchung mittels geeigneter Diagnostikverfahren.
Grundsätzlich werden folgende Verfahren zur Befunderhebung unterschieden (nach Beushausen, 2007, 27/28):

  • Befragung: freie oder spezifische Befragung zur Erhebung der Krankengeschichte und persönlichen Lebensumstände, z.B. Anamnesegespräch, standardisiertes Interview
  • Beobachtung: quantitative und qualitative Beurteilung von Verhalten, z.B.
  • Spontanspracheanalyse
  • Screening: kurze, orientierende Verfahren, die einen Ersteindruck verschaffen, auf dessen Grundlage geeignete standardisierte Testverfahren ausgewählt werden können
  • Test: Verfahren, die die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität¤t und Validität erfüllen und dessen Testwerte mit einer Normstichprobe verglichen werden

Die Verfahren der Befunderhebung werden hypothesengeleitet ausgewählt. In der Ausbildung setzen sich Logopäden mit den Zielsetzungen, der theoretischen Fundierung und Methodik von Screenings und Tests auseinander, lernen sie mit Patienten durchzuführen, sie auszuwerten und zu interpretieren und eine logopädische Diagnose aus den Befunden abzuleiten, die als Grundlage für die Therapieplanung und damit zur Ableitung von Behandlungszielen dient. Eine interdisziplinäre Absprache bezüglich der Therapieziele, z.B. mit dem behandelnden Kinderarzt, gehört zum Alltag.
Für folgende Störungsbereiche sind spezifische Diagnostikstandards von der Bundeskommission Qualitätsmanagment (BKQM) definiert worden:

Behandlungsleitlinien

In der Logopädie können Behandlungsleitlinien eine Orientierungshilfe für die Therapieplanung und -evaluation sein. Durch die Orientierung an Leitlinien (LL) können Logopäden die Transparenz ihres logopädischen Handelns gegenüber Kostenträgern und Ärzten verbessern. Dementsprechend arbeiten LogopädInnen bei der Erstellung von Behandlungsleitlinien der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) mit.
Der dbl hat im Jahr 2006/2007 das Projekt "Erstellung einer Synopse bereits veröffentlichter Behandlungsleitlinien" gestartet. Die Bundeskommission Qualitätsmanagement (BKQM) hat bisher zahlreiche medizinische Behandlungsleitlinien nach spezifischen Kriterien analysiert und stellt den Verbandsmitgliedern die Fachbesprechungen zu folgenden Leitlinien im Erwachsenenbereich zur Verfügung:

  • Aphasie, DGN
  • Aphasie, Dysarthrie, GAB und DGNKN
  • Cochlea Implantat
  • Dysarthrie, DGN
  • Dysphagie, DGN
  • Einseitige Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten
  • Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel, DGN
  • Multiprofessionelle Rehabiliation, DGN
  • Näseln, DGPP
  • Periphere Hörstörungen, DGPP
  • Poltern, DGKJP
  • Poltern, DGPP
  • Stimmstörung, DGPP
  • Stottern, DGKJP
  • Stottern, DGPP

Links zu den medizinischen Fachgesellschaften:

Weiterführende Informationen

Literaturhinweise

Materialien

Link

  • Leitliniensuche: Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)