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Spracherwerb – Kommunikation

Die Fähigkeit eine Sprache zu erwerben ist angeboren. Schon im Mutterleib beginnt das Kind seine Umgebung wahrzunehmen, dazu gehören Bewegungen und Geräusche. Schon da beginnt der Spracherwerb. Welche Sprache Kinder erwerben, hängt davon ab, welche Sprache Mutter, Vater oder andere Personen (z.B. Oma, Heimbetreuer usw.), bei denen das Kind aufwächst, sprechen. Das Kind erwirbt die Sprache, die es in seiner Umgebung wahrnimmt. Und wenn die Eltern unterschiedliche Sprachen (Laut- und Gebärdensprachen) sprechen und sich in der jeweiligen Muttersprache mit dem Kind verständigen, dann erwerben Kinder auch mehrere Sprachen.
Eltern verfügen über eine angeborene Fähigkeit, auf die Kommunikationsversuche ihrer Kinder einzugehen. Sie versuchen zu verstehen, was das Kind meint und reagieren darauf.  Das Geheimnis des Spracherwerbs liegt also im Austausch zwischen Eltern und Kindern (Kommunikation). Und der bleibt nicht auf  Wörter und Sätze beschränkt. Kinder und Eltern "sprechen" auch mit Blicken, mit Körperhaltung, Handbewegungen, mit Stimme, Gestik und Mimik. Sie sprechen über das, was sie gemeinsam erleben und was um sie herum passiert, aber auch über Gefühle und Befindlichkeiten. Deshalb sind Eltern so wichtig, gerade auch für den Spracherwerb, da sie ihre Kinder intuitiv fördern und unterstützen.

Kinder brauchen Eltern, die

  • von Geburt an mit ihnen sprechen, singen und lachen
  • Dinge zeigen und benennen
  • Ereignisse erklären
  • Fragen geduldig beantworten
  • Ängste besprechen und trösten
  • Geschichten erzählen und vorlesen
  • Lieder singen und Spiele spielen
  • ermutigen und zuhören
  • mit ihnen die Welt erforschen und darüber sprechen.

Was bedeutet Kommunikation im Spracherwerb?

Die Aussage von Paul Watzlawick "Man kann nicht nicht kommunizieren." macht deutlich, dass der Mensch darauf angelegt ist mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Selbst wenn er nichts mit jemandem zu tun haben möchte, macht er etwas, um dem anderen mitzuteilen: "Ich will nichts mit dir tun haben" - er bricht das Gespräch ab, kehrt dem anderen den Rücken zu, verschwindet um die nächste Ecke, wenn er sieht, dass der andere kommt usw. All das sind "Mitteilungen", die der andere versteht, all das bedeutet "Kommunikation". Ein Kind zeigt von Geburt an, was Kommunikation bedeutet und in welcher Weise es bereits in der Lage ist zu kommunizieren, d.h. seine Befindlichkeit zu äussern und auf die Reaktionen seines Umfeldes zu reagieren.

Menschen ist die Fähigkeit zur Kommunikation angeboren.

Ein Neugeborenes kann aufhören zu weinen, wenn die Mutter es streichelt; zeigt, dass es Hunger hat, indem es schreit usw.

Menschen treten miteinander in Kontakt, um Informationen auszutauschen.

Ein Baby lacht seine Mutter, die ihm die Flasche reicht, an und "sagt" damit "Ja, die will ich haben" oder "Das ist gut".

Kontakt wird über (Gebärden)Sprache, Stimme, Gestik und Mimik hergestellt.

Die Mutter streichelt ihr Baby, summt dabei und lacht es an.

Kontakt herstellen bedeutet, miteinander in Interaktion treten.

Das Kind zeigt auf die Flasche, die Mutter gibt sie dem Kind, das Kind freut sich und trinkt, die Mutter sagt: "Hast du aber Hunger."

Was bedeutet Spracherwerb?

Alle Kinder dieser Welt haben gleiche Strategien, Sprache zu erwerben, daher ist nicht erstaunlich, dass der Beginn des Spracherwerbs in allen Sprachen dieser Welt sehr ähnlich verläuft. Erst wenn ein Kind sich der Sprache seiner Umgebung immer mehr bewußt wird, lernt es die Regeln und den Gebrauch seiner Muttersprache.

Strategien, die Kinder im Spracherwerb einsetzen:

  • Sie imitieren ihre Eltern, d.h. sie sprechen Wörter nach oder verwenden Ausdrücke so, wie die Eltern sie verwendet haben.
  • Sie verwenden Wörter erst einmal ganz allgemein: z.B. "Hund" anstelle von "Katze", bevor sie mitbekommen, dass es da Unterschiede gibt.
  • Sie bilden neue Wörter: z.B. "reparierung" anstelle von Werkstatt und zeigen damit, welche grammatischen Fähigkeiten sie haben.
  • Sie wiederholen häufig Wörter oder Sätze, sei es, dass ihnen der Klang oder die Reaktion der Umgebung gut gefällt.
  • Sie fragen viel und unablässig und zeigen damit ihre Neugierde und ihre Lernfähigkeit.
  • Sie fordern Aufmerksamkeit und Zuwendung und zeigen damit ihr Bedürfnis nach Kommunikation.

Spracherwerb setzt voraus, dass ein Kind hören kann.

  • Ein taub geborenes Kind "verstummt" zwischen dem 5. und 6. Monat.
  • Hören bedeutet: Geräusche/Laute "wandern" vom Trommelfell zum Mittelohr ->  zum Innenohr -> zum Hörnerv -> ins Gehirn.

Spracherwerb ist ein Prozess.

  • Die Geräusche/Laute verbindet das Kind mit dem, was es erlebt hat.
  • Mit der Verbindung zwischen Geräuschen/Lauten und Erlebtem beginnt ein Kind sein (sprachliches) Wissen aufzubauen.
  • Neue Geräusche/Laute werden mit denen verglichen, die das Kind schon im Gehirn gespeichert hat.

Sprache wird gelernt, also ist Spracherwerb ein Lernvorgang.

Kinder lernen Laute: /b/ /a/ /l/

Kinder lernen Wörter: ball

Kinder lernen die Grammatik:
Nomen, männlich, Einzahl: ball
Artikel männlich: der (ball)
Verb: rollen
Subjekt: der ball rollt
Objekt: ich rolle den ball

Kinder lernen den Gebrauch der Sprache in der Interaktion.

  • Das Kind imitiert das, was es hört: "nane"
  • Das Kind lernt, seine Mutter anders anzusprechen als den Bruder, den Freund oder die Tagesmutter.
  • Das Kind lernt unterschiedliche Wörter und Redewendungen, je nachdem wo es ist: Zuhause, im Kindergarten...

Alle Kinder lernen die Laute der Muttersprache und die Grundzüge der Grammatik im Vorschulalter, d.h. wenn sie eingeschult werden, sind sie in der Lage, die Laute weitgehend korrekt auszusprechen, sich verständlich gegenüber Fremden auszudrücken und Erlebtes so zu erzählen, dass Menschen, die nicht dabei waren, verstehen, was passiert ist.

Das Lernen neuer Wörter und Redewendungen findet ein Leben lang statt, d.h. der Wortschatz eines Menschen wächst ebenso wie seine Kompetenz sich sprachlich in unterschiedlichen Situationen gegenüber unterschiedlichen Gesprächspartnern auszudrücken.