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Physiologie des Schluckens

Das Schlucken ist ein natürlicher und für die meisten Menschen unbewusster Vorgang des Körpers. Dabei ist das Zusammenspiel von Lippen-, Zungen-, Kau-, Kiefer- Rachen-, und Kehlkopfbewegungen so aufeinander abgestimmt, dass ein Schlucken und somit die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme möglich sind. Das Schlucken vollzieht sich einige tausend Male am Tag, ohne dass wir dies jedes Mal wahrnehmen. So ist z. B. das Speichel schlucken ein sehr häufiger Schluckvorgang.

Wie funktioniert Schlucken?

Beim Schlucken hebt und senkt sich der Kehlkopf sicht- und spürbar. Das ist der Vorgang, der im Allgemeinen als "das Schlucken" wahrgenommen und bezeichnet wird. Man kann das Schlucken grundsätzlich in zwei Phasen unterteilen: den bewussten und unbewussten Teil. Der bewusste Teil dient der Vorbereitung des Schluckaktes und meint die gezielte Nahrungs-/Flüssigkeitsaufnahme ("Abbeißen")- sowie die anschließende Zerkleinerung ("Kauen") der Nahrung im Mund. Der unbewusste Teil läuft automatisiert und reflexhaft ab, man spricht deswegen auch vom "Schluckreflex". Dieser wird durch das komplexe Zusammenspiel der am Schlucken beteiligten Muskeln und dem sogenannten "Schluckzentrum" sowie weiteren Strukturen im Gehirn ausgelöst. Die Auslösung erfolgt immer dann, wenn eine ausreichend große Menge Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit den Zungengrund reizt. Sobald der Schluckreflex ausgelöst wird, können wir diesen nicht mehr willentlich steuern.

Was hat Schlucken mit Artikulation zu tun?

Für das Schlucken und das Sprechen werden die gleichen Strukturen und Funktionen des Körpers eingesetzt: Lippen,  Zähne, Zunge, Kiefer und Rachen. Das heißt, wenn in einem dieser Bereiche deutliche Einschränkungen in Form von Muskelschwäche oder Lähmungen auftreten, ist der Schluckakt verändert und/oder erschwert und es kann gleichzeitig zu Artikulationsproblemen kommen (verwaschenes Sprechen , "Nuscheln"). Unverständliches Sprechen kann also ein Hinweis auf zusätzlich bestehende Schluckbeschwerden sein und u. U. dadurch bedingt sein.

Wie lernt ein Kind essen und trinken?

Das Schlucken ist ein angeborener Reflex, der Teil der natürlichen Entwicklung und Reifung des Menschen ist. Kinder schlucken schon während ihrer Entwicklung im Mutterleib Fruchtwasser. In seiner weiteren Entwicklung und natürlichen Reifung erlernt das Kind u. a. durch Anregung und Imitation die Nahrungsaufnahme. Dies beginnt mit dem Stillen oder der Flaschenernährung und ermöglicht es Kindern, bereits im frühen Kindesalter feste und flüssige Nahrung verschiedener Konsistenz zu sich zu nehmen. Durch die fortlaufende Aufnahme von immer mehr und differenzierterer Nahrung und Flüssigkeit wird auch das Bewegungsrepertoire aller am Schlucken beteiligten Strukturen erweitert und die Muskulatur von Lippen, Wangen, Zunge und Rachen gekräftigt. Das Schlucken wird im Zuge der Entwicklung des Menschen durch die senso-motorische Rückkopplung zum Gehirn als Bewegungsmuster fest abgespeichert.

Weiterführende Informationen

Literaturhinweis

  • Bigenzahn, W. (2002). Orofaziale Dysfunktionen im Kindesalter: Grundlagen, Klinik, Ätiologie, Diagnostik und Therapie. 2. überarb. Aufl., Stuttgart: Thieme (Physiologische Grundlagen des Schluckens)